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Was machst du mit deiner Angst?
Wir selbst sehen in uns gerne eine Person, die mit jedem Problem irgendwie klarkommt. Ist ja auch schmeichelhafter, als sich die Möglichkeit des Scheiterns einzugestehen. Doch manchmal kommt auch in uns die Angst hoch. Schaffe ich das, oder falle auch ich durch den Raster?
Und die Realität ist auch nicht geeignet, uns zu trösten. War Arbeitslosigkeit vor einigen Jahren noch hauptsächlich ein Thema für schlecht Ausgebildete oder ältere Arbeitnehmer, hat der Notstand inzwischen längst die leistungsbereite Mittelschicht erreicht. Vom Hauptschüler bis zum Abiturienten, keiner ist sich seiner Lehrstelle mehr sicher. Die Wirtschaft fordert Lohnverzicht, der Staat fordert Konsum. Arbeitsplatz, Rente, Gesundheitssystem: Alles scheint ungewiss.
Die Medien tun das ihre, um diese Ängste zu schüren. Aber sie sind nicht der Grund für die Angst, die umgeht. Angst hat nicht nur der Hauptschüler, sondern auch der Realschüler und der Gymnasiast, von der vorauseilenden Angst des Uniabsolventen ganz zu schweigen.
Und es ist überflüssig, darüber zu spekulieren, ob diese Angst gerechtfertigt ist oder nicht. Diese Angst ist einfach da, deshalb helfen auch schneidige Parolen nach dem Motto:“Da müssen wir eben den Gürtel enger schnallen“ oder: „Wer arbeiten will, findet auch Arbeit“ nicht.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass von der Angst viele leben. Die Medien, denen gute Nachrichten keine hohen Auflagen versprechen, der Wirtschaft, die mit dem Hinweis auf den allgemeinen Niedergang die Lohnschraube drehen kann und auch die Lehrer, die mit dem Hinweis auf die unsichere Zukunft mehr Leistung und Anpassung fordern. Mit der Angst kann man viele manipulieren.
Einer Studie des B.A.T.-Freizeit-Forschungsinstituts zufolge haben die Deutschen Angst vor einer ungesicherten Zukunft und verabschieden sich vom Wohlfahrtsstaat. Schlaraffenland ist abgebrannt. Gerade bei jungen Menschen nimmt die Orientierung an Leistung und die Bereitschaft, das Leben in die eigene Hand zu nehmen, zu. Das ist auch gut so.
Dennoch geht es nicht nur darum, uns selbst möglichst aus dem Schlamassel rauszuhalten, sondern vor allem darum, positive Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Für wen soll der Wohlfahrtsstaat da sein? Welche Hilfen sollten jedem Bürger zustehen? Wie soll unsere Gesellschaft in 50 Jahren aussehen? Welchen Stellenwert sollte Arbeit im Leben eines jeden einnehmen und wie viel Arbeit darf in Zukunft von jedem geleistet werden? Wie teilen wir die Arbeit gerechter auf?
Das sind Fragen, die leider nicht häufig gestellt werden. Denn die Bereitschaft, als einzelne Person mehr leisten zu wollen, reicht nicht aus, um die Angst wirkungsvoll zu bekämpfen. Dazu braucht es Perspektiven. Wie wollen wir diese Welt gestalten?
Wer ein erstrebenswertes Ziel vor Augen hat, dem fallen Veränderungen leichter. Bisher ist uns die Politik diese Perspektive schuldig geblieben. Wo soll es hingehen mit dem einstigen Musterland Deutschland? Wie soll das Land aussehen, in dem wir alle gerne leben wollen?
Wer dazu Antworten entwickeln kann, der wird die Mehrheit auf seiner Seite haben. Und er wird die Angst vertreiben, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber.
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