Du hast Talent. Mach was draus!
Zur Übersicht

Vom Webdesign zum Wurstmanagement

Du bist überzeugt davon, dass dein Berufsweg eingeschlagen ist? Nach deiner Lehre arbeitest du jahrelang in deinem erlernten Beruf? Das dachte Catherine Schmieder auch, doch es kommt meistens anders als man denkt.

Nach ihrer Lehre im Bereich Werbetechnik besitzt sie heute eine ökologische Imbissbude namens „Frittiersalon“ in Berlin-Friedrichshain, das ist nicht nur lecker, sondern auch spannend. Wie Catherine vom Web zur Wurst kam, erfährst du nur hier, im Jobmagazin!

wassollwerden: Hallo Catherine, was wolltest du eigentlich ursprünglich mal werden?

Catherine: Alles, außer Friseur! Denn meine Eltern haben einen Friseursalon.

wassollwerden: War das denn so abschreckend?

Catherine: Nein, aber eigentlich haben alle erwartet, dass ich den Salon mal übernehme. Als trotziger Teenie hat man da natürlich keinen Bock drauf. Da will man genau das Gegenteil von dem machen, was alle anderen von einem erwarten.

wassollwerden: Was hast du für eine Schulausbildung gemacht?

Catherine: Also, ich habe den Realschulabschluss.

wassollwerden: Und danach gleich eine Lehrstelle gesucht?

Catherine: Von wegen. Vier Wochen vor der Mittleren Reife hatte ich als einzige meiner Klasse noch keinen Ausbildungsplatz. Alle meinten nur: „Aus dir wird nie was!“ Dann erinnerte ich mich an mein schönes Praktikum bei einem Werbetechnik-Unternehmen, das ich während der 9. Klasse gemacht hatte. Werbetechniker stellen Schilder und Lichtreklamen her und Beschriftungen für Schaufenster und Autos.

wassollwerden: Und da hast du dich dann gleich in dieser Firma für eine Lehrstelle beworben.

Catherine: Ganz so einfach war das nicht. In diesem Beruf arbeiten eigentlich nur Männer und der Chef hätte wohl auch lieber einen männlichen Lehrling gehabt. Aber ich habe genervt und genervt, bis ich die Lehrstelle hatte.

wassollwerden: Und wie sah das „Nerven“ aus?

Catherine: Ich habe die ständig angerufen und bin vorbeigegangen und habe nachgehakt.

wassollwerden: Hat dein Chef später bereut, dass er keinen Mann eingestellt hat?

Catherine (lacht): Nö, keineswegs. Immer wenn ich nach Hause komme (Catherine kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald), fragen sie mich, ob ich nicht wieder bei ihnen anfangen will.

wassollwerden: Und warum hast du in diesem Beruf nicht weitergearbeitet?

Catherine: Habe ich zuerst, aber als ich nach Berlin kam, habe ich in diesem Bereich einfach keinen Job gefunden.

wassollwerden: Später warst du ja dann Webdesignerin. Wie kam es dazu?

Catherine: Als ich nach Berlin kam, habe ich alle 123 Werbetechnikfirmen, die hier ansässig sind, angerufen. Bei einer hat es dann geklappt. In dieser Firma kannte sich keiner mit der Arbeit am PC so richtig aus. Das habe dann ich übernommen. Während meiner Lehre hatte ich schon geplottet. Beim Plotten wird eine Folie am Rechner so geschnitten, dass du danach die Schrift abziehen und irgendwo aufkleben kannst.

Der nächste Job war an einer CNC-Fräse. Damit fräst man Buchstaben aus Plexiglas. Bei dieser Gelegenheit habe ich mir schon einige einfachere Programme selbst beigebracht. Das hat mich so interessiert, dass ich mir einen Rechner gekauft und zu Hause selbst einiges probiert habe.

wassollwerden: Und wie kamst du dann zum Webdesign?

Catherine: Ich habe eine Ausbildung bei Cimdata in Berlin gemacht, weil mich das Programmieren und die Arbeit mit den Computern so fasziniert haben.

wassollwerden: Und danach?

Catherine: Danach war ich für ein  dreimonatiges Praktikum bei der Online Redaktion vom Stern und konnte meine Kenntnisse des Programmierens noch vertiefen. Die hatten dort ein Redaktionssystem, das ständig bearbeitet werden musste. Danach war ich Art-Direktorin bei Ebay.

wassollwerden:  Das ging aber schnell mit der Karriere?

Catherine:
Ja, da hab´ ich geschwindelt. Bei Ebay habe ich nicht erzählt, dass ich beim Stern nur ein Praktikum gemacht habe. Nach zwei, drei Monaten habe ich denen dann die Wahrheit gesagt. Aber die haben nur gelacht. Das hat zu diesem Zeitpunkt keinen mehr interessiert. Die Leistung hat ja gestimmt.

wassollwerden: Bei der Firma VI warst du dann ziemlich lange für das Webdesign zuständig.

Catherine: Bei VI war ich in der Produktion, d.h. ich habe die Layouts in HTML umgesetzt. Bei VI habe ich auch angefangen, so richtig zu programmieren. Datenbanken u.s.w.

wassollwerden: Fehlt dir das Programmieren heute?

Catherine: Ein bisschen habe ich ja immer noch damit zu tun, auch für unseren Laden. Aber heute finde ich es schöner, mit vielen Leuten Kontakt zu haben und nicht mehr nur ganz allein vor dem Rechner zu sitzen.

wassollwerden: Du hast ja vor kurzem einen Imbiss eröffnet. Ziemlich außergewöhnlich, von der IT-Branche zur Wurstbraterei!

Catherine: Das kam so: Mein Freund war arbeitslos und wir sind nachts nach Hause gegangen. Er hatte Hunger und wollte Pommes. Ich hab zu ihm gesagt, dass es hier keine guten Pommes gibt. Das wollte er absolut nicht glauben. Mitten in Friedrichshain, keine guten Pommes! Und dann sagte er: „Wenn es hier keinen guten Imbiss gibt, dann machen wir eben einen auf! Gesagt, getan. Zwei Wochen später haben wir das Gründungs-Konzept geschrieben!

Übrigens: Seit Oktober haben Catherine und Frank ihren Frittiersalon mit Pommes aus biologisch angebauten Kartoffeln und Currywurst aus Neuland-Fleisch. Seit zwei Wochen sind die beiden Chef einer Angestellten!
Und wenn du einmal nachts durch Friedrichshain gehst und Lust auf Pommes hast?