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Interview mit Violonistin

Wer möchte nicht gerne die 1. Geige spielen? Die Violinistin Annette Read-Becker hat geschafft, wovon viele kleine Musikanten träumen. Sie lebt ihren Traum von der Musik.

wassollwerden: Wie ist bei dir der Wunsch entstanden, ein Instrument zu lernen?

Annette: Ich stamme aus einer Musikerfamilie, in der Haus- und Kammermusik zum Alltag gehören.

wassollwerden: Hattest du vorher schon Geigenmusik gehört, oder hat dir einfach das Instrument gefallen?

Annette: Ich habe als Kleinkind mit Klavierunterricht angefangen (bei meiner Mutter) und hatte mit 10 Jahren den Wunsch ein Orchesterinstrument zu erlernen. Meine Eltern haben regelmäßig Konzerte besucht und uns Kinder oft mitgenommen.

wassollwerden: Wer hat deinen Unterricht  finanziert?

Annette: Meine Eltern!

wassollwerden: Wie bist du gefördert worden?

Annette: Ich habe durch meine Instrumentallehrer, die mich sehr engagiert gefördert haben, immer die Möglichkeit gehabt öffentlich aufzutreten. Der Erfolg bringt die Motivation weiterzuüben und auch Spaß dabei zu haben.

wassollwerden: Wann bist du auf die Idee gekommen, dein Geigespiel zum Beruf zu machen?

Annette: Ich habe mich dafür entschieden Musik zu studieren nachdem mein Bruder die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Köln im Fach Querflöte bestanden hat und mir voller Begeisterung von den Professoren und interessanten Vorlesungen erzählte.

wassollwerden: Gab es auch Zeiten, wo du lieber gar nicht Geige spielen wolltest?

Annette: Natürlich gab es zu Anfang auch Phasen in denen mir das stundenlange Üben nicht gefiel. ln der Zeit habe ich mehr am Klavier gesessen und mich mit Musikpädagogik und Musiktheorie beschäftigt. Das Musikstudium besteht nämlich nicht nur aus Unterrichtsstunden auf dem Hauptinstrument.

wassollwerden: Was hat dir geholfen, am Ball zu bleiben?

Annette: Die Möglichkeit mit tollen jungen Musikern Kammermusik zu machen und häufige Anfragen von damaligen Jugendorchestern als Solistin zahlreiche Violinkonzerte aufzuführen.

wassollwerden: Welche Ausbildung hast du absolviert, um Violinistin zu werden?

Annette: Ich habe die künstlerische Reifeprüfung an der Musikhochschule absolviert und nebenbei noch einen Abschluss in Musikpädagogik gemacht.

wassollwerden: Was war deine erste Anstellung?

Annette: Meine ersten Anstellungen fand ich an der Musikschule in Haltern Düsseldorf und in Hürth bei Köln. Das war noch während des Studiums zur Finanzierung desselben. Nach meiner Prüfung war ich im Rheinischen Kammerorchester dann im Gürzenich Orchester Köln und schließlich im Orchester der Deutschen Oper Berlin fest engagiert.

wassollwerden: Was hast du in deiner Ausbildung nicht gelernt, was du lieber früher gewusst hättest?

Annette: Freie Improvisation!

wassollwerden: Welcher Beruf wäre außer dem der Musikerin noch interessant für dich gewesen?

Annette: Biologin wäre ich auch gerne geworden.

wassollwerden: Was ist für dich das Schönste an deinem Beruf?

Annette: Keine Vorstellung am Abend ist wie die andere. Es wird nie langweilig imOpernorchester, weil am Abend auch so vieles zusammenkommt, wie z.B. die Sänger, der Chor und das Ballett. Das Publikum macht sich schick um in die Oper oder ins Konzert zu gehen und es freut mich immer wieder, dass die Menschen sich auch nach einem harten Arbeitstag aufmachen um Kultur zu genießen.

wassollwerden: Was ist für dich das Negativste?

Annette: Nach dem Urlaub anzufangen zu üben.

wassollwerden: Welches ist dein Lieblingsstück und seit wann kannst du es spielen?

Annette: Die Lieblinsstücke wechseln von Zeit zu Zeit. Mal ist es der „Ring des Nibelungen", dann eine Mahlersymphonie oder ein bestimmtes Streichquartett –  also meistens Werke die ich mit großer Begeisterung gespielt habe.

wassollwerden: Hast du schon mal selbst ein Stück komponiert?

Annette: Ja, als Kind.

wassollwerden: Bist du vor Auftritten aufgeregt?

Annette: Klar, meistens sogar. Das verschafft eine bestimmte Spannung die auch nötig ist, um eine gute Leistung zu erzielen. Wenn dich nichts mehr kratzt und du dich vielleicht sogar langweilst beim Musizieren dann kommt die Musik nicht rüber und das Publikum ist dann auch nicht gebannt!

wassollwerden: Welche Tricks kennst du, die bei Auftrittsangst helfen?

Annette: Es gibt Atemtechniken die entspannend wirken oder autogenes Training.

wassollwerden: Hast du dich schon mal auf der Bühne verspielt?

Annette: Oh ja, mal hörbar aber auch geschickt, so dass es niemand bemerkt hat.

wassollwerden: Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen Musikern?

Annette: In meinem Beruf sehr wichtig, weil persönliche Probleme zwischen Musikern beim Musizieren hinderlich sind. Wenn sich die Musiker prima verstehen ist es eine Freude sich die Bälle beim Musizieren zuzuspielen.

wassollwerden: Was würdest du gerne in deinem Beruf noch erreichen?

Annette: Ich möchte auch in der Zukunft ganz spannende musikalische Ereignisse miterleben und gestalten mit dem Ziel, möglichst bei vielen Menschen unvergessene musikalische Eindrücke zu hinterlassen.

wassollwerden: Reist du gerne und kommst du in deinem Beruf häufig dazu?

Annette: Ja, in meinem Beruf als Orchestermusikerin kommt man in der ganzen Welt herum, wobei die Symphonieorchester in der Regel häufiger reisen als Opernorchester.

wassollwerden: Kann man von diesem Beruf eine Familie ernähren, oder ist die Kunst doch zu brotlos?

Annette: Als freischaffender Musiker muss man natürlich kämpfen, aber als Musiker mit einer festen Anstellung hat man ein regelmäßiges Einkommen und kann sich auch Kinder leisten.

wassollwerden: Würdest du es deinen Kindern durchgehen lassen, wenn sie kein Instrument lernen wollen?

Annette: Ich würde ihnen auf jeden Fall alles ermöglichen, aber wenn der Widerstand zu groß ist, erzwingen kann man bei Kindern nichts.

wassollwerden: Was war dein größter beruflicher Erfolg?

Annette: Meine gewonnenen Probespiele und einige Konzerte als Solistin, z.B. habe ich in meiner Schulzeit ein Solokonzert mit unserem Schulorchester gegeben. Ich erinnere mich noch gern an die Rückfahrt im Auto meiner Mutter wo kaum Platz zum Sitzen war, weil überall Blumensträuße bis zur Decke gestapelt lagen. Ich war damals sehr glücklich.