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Katharina, 27, Technische Zeichnerin für Versorgungstechnik

Der Beruf des Technischen Zeichners ist schwer im Kommen. Seit Sommer 2005 gibt es die ganz neue Ausbildung zum Technischen Produktdesigner. Da wollten wir euch unbedingt mal den Werdegang einer Technischen Zeichnerin präsentieren. Katharina ist eine solche.

Die Zeit davor

Als ich das Abitur gemacht habe, wusste ich nicht, was ich danach studieren sollte. Ich wollte vermeiden, eine jener Studentinnen zu werden, die nach drei Semestern feststellen, dass das Studium keinen Spaß macht und dann was anderes belegen. Also habe ich mich kräftig beworben. Anfangs um eine Ausbildung zur Zahntechnikerin, aber da dachte man wohl, ich würde die Ausbildung nur als Sprungbrett zum Studium nutzen. Ich habe fast alle meiner 40 Bewerbungen ohne Kommentar zurückbekommen. Das war schon niederschmetternd. Dann habe ich von einer Mitschülerin vom Beruf Technischer Zeichner erfahren und mich dafür begeistern können. Das Arbeitsamt hat mich in die Verteilerliste für diesen Beruf aufgenommen und immer, wenn ein Angebot kam, das zu meinen Angaben passte, habe ich eine Empfehlung vom Amt zugeschickt bekommen.

Da ich schon immer gut mit Bleistift und Lineal konstruieren konnte und ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen habe, dachte ich, dass ich als Technische Zeichnerin eine gute Chance haben würde. Zudem bin ich sehr penibel und muss alles ganz genau machen, so ein kleiner Perfektionist. Das kommt einem in dem Beruf natürlich entgegen.

Beworben habe ich mich schriftlich und ganz klassisch mit handgeschriebenem Lebenslauf, Passbild, Anschreiben und Zeugnissen. Ich hatte damals ein Buch mit Musterbewerbungen. Daran habe ich mich orientiert. Bewerbungen schreiben bekommt man nämlich am Gymnasium nicht beigebracht.

Nach meinen 40 erfolglosen Bewerbungen zur Zahntechnikerin liefen die Bewerbungen als Technische Zeichnerin viel besser. Aus 5 Bewerbungen ergaben sich drei Gespräche und zwei mögliche Ausbildungsstellen.

Meine Eltern waren mir in der schwierigen Bewerbungsphase eine sehr große Hilfe. Sie waren Antreiber und Tröster in einem. Sie waren immer bestrebt, mich daran zu erinnern, dass ich mir Gedanken über meine Zukunft mache. Aber ob Studium oder Ausbildung war ihnen vollkommen egal. Sie haben mich immer bei allem unterstützt, was ich angestrebt habe. Als sie gemerkt haben, dass ich eine Ausbildung machen möchte, haben sie mich dazu angehalten, Bewerbungen zu schreiben und mich getröstet, wenn eine nach der anderen wieder im Briefkasten lag.


Das erste Jahr

Schon am ersten Tag war ich von meinem Ausbildungsplatz begeistert, denn ich kam in ein junges, dynamisches Team. Ich war extrem motiviert, hatte ich doch genau die Stelle, die ich haben wollte. Ich bekam einen eigenen geräumigen Schreibtisch und innerhalb von zwei Wochen hatte ich auch einen Rechner. Auch meine Chefs und Vorgesetzten waren sehr freundlich. Außer einer Sekretärin war ich die einzige Frau in der Truppe. Die Kollegen mussten nun ihren Ton und ihre Ausdrucksweise anpassen. Das fand ich damals witzig.

Ich bin eigentlich von Anfang an in richtige Projekte integriert worden. Zunächst musste ich per Hand in Pergamentzeichnungen diverse Symbole einzeichnen. Dann wurde mir ziemlich schnell gezeigt, wie man aus einem riesigen Blatt Papier ein A4-Format faltet. Meine Kollegen haben sich gefreut, denn nun hatten sie ja die Azubine zum falten. Ansonsten hatte ich viel Zeit meine Ausbildungsberichte zu schreiben und den Lernstoff der Berufschule zu wiederholen. Außerdem musste ich das Archiv der Herstellerkataloge verwalten. Das war auch so eine Aufgabe, die keiner machen wollte. Azubine!

Eine meiner Aufgaben war es zudem, ans Telefon zu gehen und weiterzuvermitteln. Da das aber alle gemacht haben, auch die Ingenieure, fand ich es nicht schlimm, obwohl es  nicht in meinem Vertrag stand. Überfordert habe ich mich nie gefühlt. Höchstens beim Kaffe kochen! Blöd fand ich die Zeiten, wo das Büro nicht richtig ausgelastet war. Das ging aber allen Mitarbeitern so. Dann kann so ein Arbeitstag ziemlich lang werden.

Mit meiner Ausbildungsvergütung war ich sehr zufrieden. Eigentlich hätte ich davon ganz gut leben können, aber ich wohnte damals eben noch bei „Mutti“.

Zeit für Hobbys hatte ich auch noch ausreichend während meiner Ausbildung. Die Wochenenden waren immer frei und an den Tagen, an denen wir Berufsschule hatten, war auch noch der Nachmittag frei. Am liebsten bin ich dann ins Fitnessstudio gegangen. Außerdem habe ich an der VHS noch einen Kurs in Maschine schreiben belegt.

Mein Umfeld hat auf meine Berufswahl nicht besonders reagiert. Nur eine Freundin fand, dass eine Ausbildung verschwendete Zeit ist. Ich sehe das aber nicht so, denn ich habe immer etwas worauf ich zurückgreifen kann. By the way, die besagte Freundin hat für ihr Studium nur ein Jahr weniger gebraucht, als ich für Ausbildung und Studium zusammen, von wegen Verschwendung…

Das zweite Jahr

Im zweiten Lehrjahr wurde ich von meinem Chef und den Kollegen schon ernster genommen, denn ich konnte ja auch immer mehr Aufgaben übernehmen. Ich bekam erste Projekte zugeteilt, bei denen ich allein ein Gewerk für einen Ingenieur gezeichnet habe. Trotzdem blieb noch genug Zeit für weniger spannende Aufgaben wie Zeichnungen falten, das Katalogarchiv verwalten und zum Briefkasten laufen. In der Berufsschule habe ich mich manchmal etwas gelangweilt, denn der Stoff fiel mir superleicht. Doch ich war auch oft stolz auf mich, vor allem, wenn ich meinen Namen auf Zeichnungen sah, die auch an die Kunden abgegeben wurden. Es ist schon schön, zu merken, wie man besser wird in dem, was man tut.

Das letzte Jahr

Im dritten Lehrjahr stand für mich vor allem mein Abschneiden bei der Abschlussprüfung im Mittelpunkt. Außerdem wurden meine Aufgaben in der Ausbildung deutlich anspruchsvoller. Ich leistete unterstützende Arbeiten für die Ingenieure, wie Berechnungen. Manchmal durfte ich auch eigenständig nach Vorgaben zeichnen, d.h. nach einer kurzen Besprechung durfte ich die Aufgabe alleine umsetzen.

Meine Idee, nach der Ausbildung ein Ingenieurstudium zu beginnen, nahm feste Formen an. Und das, obwohl ich in meinem Ausbildungsbetrieb übernommen worden wäre!

Nachdem ich die Prüfung bestanden habe, waren meine Eltern sehr stolz auf mich und haben sich mit mir gefreut.

Der gute Rat

Leuten, die Technische Zeichner werden wollten, sollte klar sein, dass es ein stressiger Beruf sein kann. Der Job ist anstrengend für die Augen, da man 8 Stunden am Tag am Computer sitzt. Man sollte Wert auf Genauigkeit legen und jede menge technisches Verständnis und Interesse für Technik haben. Ohne zu begreifen, was man zeichnet, funktioniert der Beruf nicht. Ich persönlich würde diese Ausbildung immer wieder machen, denn sie hat mich wirklich weiter gebracht.


...und jetzt?

Inzwischen habe ich mein Studium zum Ingenieur für Versorgungstechnik fast abgeschlossen und werde mich ab Herbst 2005 um eine Stelle bewerben.

In fünf Jahren sehe ich mich als berufstätige Mutter mit mindestens einem Kind. Hoffentlich klappt’s!
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