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Süßer Vogel Jugend? Die Shell-Jugendstudie

Ihr wollt gerne wissen, was andere Jugendliche denken? Die Jugendstudie des Mineralölkonzerns Shell gibt jedes Jahr Auskunft über Werte, Gewohnheiten und das Verhalten von Jugendlichen. Hier könnt Ihr vergleichen, ob Eure Einstellungen zu Themen wie Familie, Religion, Zukunftsaussichten und die EU mit denen der Mehrheit übereinstimmen oder ob Ihr alles ganz anders seht!

Wassollwerden-Kenner haben es sich schon gedacht: Die Besorgnis, keinen Arbeitsplatz zu finden, wächst bei Jugendlichen weiter an. Parallel steigt die Furcht vor einer allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage. Die eigene Zukunft betrachten aber mehr als 50 Prozent der Jugendlichen noch positiv. Auch echte Schwarzseher gibt es seltener als Grufties auf der Straße: Nur 8 Prozent malen sich ihre eigene Zukunft in den schwärzesten Farben aus.

Die Shell-Jugendstudie bestätigt wie auch die PISA-Studie die ungerechten Chancenverteilung in Deutschland. Jugendliche aus privilegiertem Elternhaus erreichen eher einen höheren Schulabschluss als Jugendliche aus der Unterschicht. Ein großer Misstand, bei dem die Politik gefordert ist, endlich wirksam Abhilfe zu schaffen!

Die Familie

Die Familie bedeutet für viele Jugendliche Rückhalt, Sicherheit und emotionale Unterstützung. Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten suchen Jugendliche den Schutz der Familie. Sie ziehen später von zuhause aus und sind zu 72 Prozent der Meinung, dass man die Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können. Insgesamt wächst die Bedeutung der Herkunftsfamilie an.

Auf der anderen Seite wird die Familiengründung von jungen Erwachsenen hinausgezögert. Gerade junge Frauen sehen sich bei der Gründung einer eigenen Familie einer Vielzahl von Schwierigkeiten gegenüber. Innerhalb relativ kurzen Zeit sollenl Ausbildung, berufliches Fortkommen, Partnerschaft und Kinderwunsch verwirklicht werden. Dies stellt für viele eine Überforderung dar.

Freizeit & Gesundheit

Auch das Freizeitverhalten hängt nicht unerheblich davon ab, welcher Schicht man angehört.

Während sich Jugendliche aus privilegierten Gesellschaftskreisen besonders viel mit Lesen, kreativen Aktivitäten und dem Pflegen von sozialen Kontakten beschäftigen, neigen sozial benachteiligte Jugendliche mehr zum Medienkonsum in Form von Computerspielen und Fernsehen. Verbinden sich diese Vorlieben mit einer Abwendung von Schule und Ausbildung, sind sie problematisch.

Auch bei der Ernährung und dem Sport macht sich soziale Benachteiligung negativ bemerkbar. Der häufigere Konsum von Cola und Limonade, mangelnde körperliche Bewegung und regelmäßiges Zigaretten rauchen sind bei jungen Menschen aus schlechter situierten Familien deutlich häufiger.

Politik & Gesellschaft

Die gute Nachricht: Die grundlegenden Regeln der Demokratie werden von den meisten Jugendlichen akzeptiert. Dazu gehören die Meinungsfreiheit, Regierung und Opposition, Kompromissfähigkeit und freie Wahlen. Allerdings ist die Politik- und Parteiverdrossenheit nicht nur in der Erwachsenenwelt, sondern auch und gerade bei Jugendlichen verbreitet. Politiker stehen bei Jugendlichen im Verdacht, mehr für ihren Machterhalt zu tun als für das Allgemeinwohl.

Soziales Engagement

Der Einsatz für gesellschaftliche Angelegenheiten und für andere Menschen steht bei Jugendlichen hoch im Kurs. Ganze 42 Prozent sind gelegentlich für soziale oder gesellschaftliche Zwecke in ihrer Freizeit aktiv. Typische Räume für diese Aktivitäten sind Vereine, Schulen und Hochschulen. Hinzu kommen Kirchengemeinden und Jugendorganisationen. Aber auch die Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste liefern Jugendlichen die Möglichkeit, soziales Engagement zu zeigen.

Toleranz & Alltag

Jugendliche sind eine eher tolerante Bevölkerungsgruppe. Auch hier gilt wieder: Je höher die Bildung, desto geringer sind die Vorbehalte gegen Bevölkerungsgruppen wie Aussiedler, Homosexuelle oder Familien mit vielen Kindern.

58 Prozent lehnen einen weiteren Zuzug von Migranten ab.

Überalterung der Gesellschaft

Von einer „Aufkündigung der Solidarität zwischen den Generationen“ kann keine Rede sein. Die meisten Jugendlichen haben eine Hochachtung vor allem vor der Leistung der Älteren. Darüber hinaus führt das positive Familienbild dazu, dass Ältere mehr geachtet werden.

70 Prozent der Jugendlichen halten die Überalterung der Gesellschaft für ein großes Problem. Hinsichtlich der eigenen Altersversorgung sind viele Jugendliche davon überzeugt, dass sie selbst vorsorgen müssen.

Europa & Globalisierung

Europa wird insgesamt in einem schönen Licht betrachtet. Europaweites Reisen, Arbeiten und Studieren wird durchweg positiv bewertet. Bürokratie und Geldverschwendung gelten als Probleme der Europäischen Gemeinschaft.

Erstaunlich: 24 Prozent der Jugendlichen können mit dem Begriff der Globalisierung gar nichts anfangen.

Besonders bei Jüngeren sind große Wissenslücken erkennbar. Eher bedrohlich sehen die informierteren Jugendlichen die Konsequenzen der Globalisierung. Besonders Kriminalität und drohende Arbeitslosigkeit werden mit ihr ursächlich in Verbindung gebracht.

Werte

Die Studie zeigt, dass sich die Werte der Heranwachsenden grundlegend verändern. „Aufstieg statt Ausstieg“ lautet das Motto, nach dem die Jugendlichen ihre Zukunft gestalten. „Die ideologisch unterfütterte ‚Null-Bock’-Stimmung früherer Generationen ist passé“, so Projektleiter Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Auf die erhöhten Leistungsanforderungen und Risiken unserer gegenwärtigen Gesellschaft reagiert die Jugend optimistisch und mit erhöhter Leistungsbereitschaft. Dieser Wertewandel, der sich bereits in den 90er Jahren angedeutet hatte, wird in der vorliegenden Studie erstmals umfassend sichtbar gemacht. Leistung, Sicherheit und Einfluss liegen stark im Trend – ebenso wie Kreativitiät, Toleranz und Genuss. Traditionelle und moderne, scheinbar widersprüchliche Werte vereinen sich zu einer neuen Synergie. Gleiches gilt für die Lebensplanung: Karriere und Familie sind zwei zentrale, gleichberechtigte Zielvorstellungen – gerade auch für Mädchen und junge Frauen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass mehr Mädchen als Jungen eine höhere Bildung anstreben. In der Schulbildung haben sie die Jungen inzwischen sogar überholt.

Religion

Die große Masse der Jugendlichen mit Ausnahme der ostdeutschen ist weiterhin auf dem Papier einer Kirche verbunden. Doch auch der Weltjugendtag in Köln und der Besuch des Papstes haben nicht dafür gesorgt, dass Jugendliche sich vermehrt der Religion zuwenden. Nur 30 Prozent der Jugendlichen bekennen sich in einem kirchennahen Sinn als religiös.

Dennoch sind viele Jugendliche auf religiösen Großveranstaltungen und in kirchlichen Gruppen zu finden. Prinzipiell stehen sie der Kirche wohlwollend gegenüber. Dies führt aber nicht zu einer religiösen Überzeugung im Sinne der großen Konfessionen.

Die Mehrheit der Jugendlichen schreibt den Kirchen in wichtigen Lebensfragen wenig Kompetenz zu.

Zusammenfassung

Jugendliche sehen ihre Situation in der Gesellschaft als sehr unsicher an. Die Hauptsorge gilt ihrer beruflichen Entwicklung, ihren Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz und dem damit verbundenen Platz in der Gesellschaft. Dieser Unsicherheit begegnen sie mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Jugendliche reagieren mit Anpassung und Leistungsbereitschaft. Lebensläufe werden auf Verwertbarkeit geprüft. Jugendliche setzen sich bescheidene Ziele, große Träume erlauben sich nur wenige.

Familie und Freundeskreis geben Jugendlichen Sicherheit und Unterstützung. Zur älteren Generation hat die Mehrheit der Jugendlichen eine großzügige Haltung. Ihnen sollen die Leistungen nicht vorenthalten werden, die sie sich erarbeitet haben und die ihnen versprochen wurden.

Insgesamt beschäftigen die Jugendlichen die Sorge um die Zukunft, bescheidene Wünsche, Leistungsstreben, Familiensinn und Verantwortung. Vom süßen Vogel Jugend, der Unbekümmertheit und Unbeschwertheit, mit der diese Lebensphase doch so sehr verbunden wird, ist nicht viel zu spüren.