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Provinz macht glücklich
Studieren in der Masse oder studieren in der Klasse? Klemens Quasst hat sich entschieden
Der Wecker klingelt und Klemens, steht auf, weil er studieren will. Im Morgengrauen eilt er durch die hübsche, kleine Altstadt von Ansbach. Klemens passiert das urige Wirtshaus, in dem er neben dem Studium als Kellner arbeitet: im Sommer Biergarten, im Winter Kaffee und Kuchen. Dann betritt er den Campus seiner Hochschule: Die alte Kaserne aus rotem Backstein wurde vor wenigen Jahren saniert. Die eindrucksvolle, futuristische Architektur soll klar machen: Hier werden die Technologien der Zukunft erforscht. Klemens grüßt im Vorübergehen einige Professoren und Studienfreunde. Im Vorlesungssaal sitzen, Klemens eingerechnet, gerade einmal 30 Studenten. Der Ingenieurstudiengang „Energie- und Umweltsystemtechnik“ hat Klassenstärke.Klemens ist jetzt im 3. Semester und kennt fast alle seiner Kommilitonen. „Du kannst hier eigentlich jeden anquatschen, falls du Notizen brauchst – aber am besten ist das Gemeinschaftsgefühl.“ Zusammen ist man durch dick und dünn gegangen, hat vor den Prüfungen bis drei Uhr morgens in Gruppenarbeitsräumengelernt oder ist stundenlang im Labor gestanden.
Auch das Verhältnis zu den Professoren ist sehr persönlich: Wenn Klemens in der Vorlesung etwas nicht versteht, fragt er einfach nach oder klärt knifflige Fragen im Anschluss mit den Professoren unter vier Augen. Anwesenheitspflicht gibt es keine, aber Studenten und Professoren merken, wenn Klemens nicht da ist. Das ist an deutschen Hochschulen nicht selbstverständlich. Zwei Jahre lang studierte Klemens an der ebenso renommierten wie überlaufenen Universität Heidelberg Physik, um dann abzubrechen. Die Gleichgültigkeit von Studenten und Professoren im anonymen Massenstudium ist ihm nicht gut bekommen. „Bei 500 Studenten im Vorlesungssaal interessiert es niemanden, ob du kommst oder nicht - das frustriert.“ Die Fachhochschule Ansbach zählt 1.800 Studenten, die Universität Heidelberg ist mehr als zehnmal so groß. Dort paukte Klemens hauptsächlich Theorien und ihre mathematische Begründung, an der Fachhochschule lernt er sie anzuwenden.
Vor allem hat Klemens in Ansbach dank der Fachschaft eine neue Heimat gefunden. Diese Organisation vertritt die Interessen der Studenten an der FH, veranstaltet aber auch Feste und Kinoabende. Zurzeit ist die Verwendung der Gelder aus den Studiengebühren das wichtigste Thema. In Ansbach zahlt jeder Student pro Semester 400 Euro und dafür wollen die Studenten Ergebnisse sehen. Die Fachschaft bestimmt mit, wie das Geld ausgegeben wird. „Wir haben gute Kontakte zu Professoren und Verwaltung und konnten uns bei den Verhandlungen immer einigen“, erzählt der Studentenvertreter Klemens. Am angenehmsten Provinz macht glücklich findet er, dass die Bibliothek nun jeden Tag drei Stunden länger geöffnet hat. Für Studenten ist die Bibliothek ein wichtiger Ort: Hier wird in der Prüfungszeit gelernt und diskutiert. Dabei trifft man viele Freunde und Bekannte. „Außerdem wurden von den Geldern Computer und Laborgeräte gekauft und zusätzliche Labormitarbeiter eingestellt.“ Der wichtigste Faktor für ein erfolgreiches Studium bleibt jedoch die innere Einstellung: „Der Wille zählt!“ In Heidelberg war ihm dieser Wille verloren gegangen: „Es ist ein Teufelskreis – du bist frustriert, bringst weniger Leistung und mit den schlechten Noten steigt die Frustration weiter.“ Die beste Motivation ist seiner Meinung nach, dass man für sich selbst weiß, wozu man studiert - und dass einem das Studium Spaß macht! Denn schließlich steht ein Student jeden Morgen aus freier Entscheidung auf, wenn der Wecker klingelt.
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