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Oliver, 26, Sprengmeister
Sprengungen sind immer ein spektakuläres Ereignis. Ob sie dazu da sind, ausgediente Gebäude zu entfernen, Hindernisse zu beseitigen oder in Film und Fernsehen für Action sorgen. Doch wer steckt eigentlich dahinter, wenn es richtig knallt? Der Sprengmeister! Einer davon ist Oliver.
Die Zeit davorIch habe Abitur gemacht und studiere Chemie und Sozialkunde auf Lehramt. An Stelle von Wehrdienst oder Zivildienst habe ich mich verpflichtet, bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ehrenamtlich tätig zu sein. Aber irgendwann wollte ich mehr. Also habe ich mich zunächst stärker als ehrenamtlicher Helfer im THW engagiert und sogar einige Jahre eine Dienststelle (Ortsverband) geführt. Im Rahmen meiner Tätigkeit beim THW habe ich einen Lehrgang zur Schadensdarstellung absolviert. Das kennt man aus dem Film: Explosionen von Häusern, Autos oder Hubschraubern, Feuer und Rauch. Der Regisseur fürs Grobe. Das habe ich jahrelang gemacht.
Der WegNach meinem Einstieg über die Pyrotechnik habe ich mich immer mehr für das Sprengen interessiert. Das THW bietet die Ausbildung zum Sprengberechtigten an. An der Bundesschule werden sogar Sprengberechtigte für die Bundeswehr und Polizei aus- und weitergebildet. Diese Ausbildungen bestehen aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Der theoretische Teil wird in mehreren kurzen Lehrgängen vermittelt. Der praktische Teil besteht erst einmal darin, bei der Durchführung von Sprengungen zuzusehen. Später lernt man dann, selbst zu sprengen. Ich selbst habe in der Zwischenzeit an 150 Sprengungen teilgenommen.
Der Knall
Sprengungen können total unterschiedlich sein. Ich selbst mache allgemeine Sprengarbeiten, Gebäude- oder Bauwerkssprengungen und Kultursprengungen. Das heißt nicht, dass man irgendwelche Kulturdenkmäler kaputtmacht, sondern dass man zum Beispiel nach einem Sturm unter Spannung stehende Bäume sprengt oder Holz wegräumt, das im Weg liegt.
In Brandenburg gab es in den letzten Jahren unheimlich viele Waldbrände. Dort hat man eine neue Methode getestet, nämlich das Sprenglöschverfahren. Man sprengt mit einer langen Sprengschnur große Kunststoffschläuche, so entsteht ein Wassernebel, der den Waldbrand beseitigen kann. Ein Quadratmeter Waldbrand hat ungefähr die Energie von 4000 Bügeleisen. Das muss man sich mal vorstellen, da walten ungeahnte Kräfte.
Es gibt ganz verschiedene Sprengmethoden. Mir selbst macht es am meisten Spaß, Kamine oder hohe Schornsteine zu sprengen. Das ist eine heikle Aufgabe, weil die Bauten auf ein exakt bemessenes Feld fallen müssen. Meine letzte Sprengung war Ende Februar eine große ehemalige russische Kaserne.
Eine Sprengung ist eine Möglichkeit, ein Problem zu lösen, das man anders nicht in den Griff bekommt. Also, in diesen Kasernen hat man es zum Beispiel oft mit verstärkten Decken zu tun, die in Kriegszeiten gegen Fliegerbomben schützen sollten. Diese mit einer Baumaschine einzureißen ist fast unmöglich. Sprengungen erleichtern in diesem Fall die Arbeit. Und da kommen zu Übungszwecken oft die Spezialisten vom THW ins Spiel.
Auch Entlastungssprengungen finde ich sehr interessant. Diese Sprengungsart kommt zum Einsatz, wenn ein Gebäude mit Wasser voll gelaufen ist und ein Abfluss geschaffen werden muss. Wenn ich den mit der Hand lege, stehe ich ja komplett im Wasser. Deshalb muss ich mir eine andere Lösung überlegen. Wir ziehen dann auch vom THW ausgebildete Statiker hinzu, gerade wenn es um große Gebäude geht.
Oftmals werden auch so genannte Einbruchsprengungen durchgeführt, um beispielsweise Brände in einem Gebäude zu löschen. Durch das freigesprengte Loch wird Löschschaum oder Wasser in das Gebäude geleitet.
Es gibt auch Sprengberechtigte, die mit Filmfirmen zusammenarbeiten. In Brandenburg wurde zum Beispiel der Film „Enemy at the Gates“ gedreht. Da waren dann auch Leute vom THW dabei, die diese Sprengungen nach Drehbuch gemacht haben.
Als Sprengberechtiger sollte man mobil sein, mindestens innerhalb des eigenen Bundeslandes. Aber es gibt auch Leute, die durch diese Arbeit um die ganze Welt reisen. Entschärfen machen wir gar nicht, das ist eine eigene Ausbildung und Aufgabe des Kampfmittelräumdienstes. Sprengberechtigte sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Unser Schlachtruf vor jeder Sprengung ist: „Glück auf!“ Da merkt man, dass diese Tätigkeit ursprünglich aus dem Bergbau kommt.
Der JobWenn man Sprengmeister werden möchte, überlegt man sich vorher, für welchen Bereich man sich interessiert. Nach diesen Interessen macht man dann auch seine Scheine.
Das Sprengen ist wirklich enorm spannend. Auf einen Knopfdruck hin muss alles hochgehen. Das ist super aufregend. Und man kann sich keine Fehler erlauben, man muss alles ganz genau berechnen und sehr sorgfältig sein. Die eigene Verantwortung ist groß. Bei dieser Arbeit merkt man immer wieder, dass Verantwortung nicht teilbar ist. Wenn ich eine Sprengung übernehme, dann muss ich mich auch auf mein Team verlassen können.
Es gibt Leute, die die Tätigkeit des Sprengmeisters hauptberuflich ausführen, ich selbst gehöre nicht dazu. Firmen, die laut Sprengstoffgesetz § 7 die Berechtigung haben, eine Sprengung durchzuführen, beauftragen Leute, die einen Sprengberechtigungsschein haben. So ist meist der Ablauf.
Voraussetzung zum Erwerb eines Sprengberechtigungscheines ist, dass man mindestens 21 Jahre alt sein muss, körperlich fit und noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Leuten, die sich für die Ausbildung zum Sprengmeister/Sprengberechtigten interessieren, rate ich sich auf der Internetseite des Deutschen Sprengverbands zu informieren, und dort zu den Sprengfirmen Kontakt aufzunehmen. Das Sprengen kann man nur durch beständige Weiterbildung erlernen. Beim THW hat man die Gelegenheit, das Gelernte in die Tat umzusetzen und das auch, um Unglücke oder Katastrophen zu vermeiden.
...und jetzt?Ich will noch mehr. Unterwassersprengung. Bohrlochsprengung. Schneefeldsprengung. Eissprengungen. Brückensprengung. Interessieren würde mich besonders das Unterwassersprengen. Dafür müsste ich dann auch das Tauchen lernen. Das werde ich auch beim THW machen. Sprengen ist eine interessante Tätigkeit, die viel Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert. Mir persönlich gefällt meine Aufgabe.
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