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Auch die Industrie- und Handelskammer macht auf das Problem der Ausbildungsplatzsituation von Jugendlichen aufmerksam. Als Zugpferd setzt sie dabei Jazzy, die sympathische Ex-Sängerin von Tic Tac Toe, ein. Das exklusive Interview mit Jazzy, bekommst du hier und jetzt! 

wassollwerden: Jazzy, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der IHK?

Jazzy: Die Jungs von Soundpool haben mich angesprochen, ob ich Lust hätte, für diese Initiative einen Song zu produzieren. Die haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Kampagne zu unterstützen. Dann habe ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt und geschaut, was die alles machen wollen und war eigentlich sofort dabei. Das ging eigentlich relativ schnell.

wassollwerden: Heißt das, du hast auch persönlichen Bezug zum Thema, nicht zu wissen, was man beruflich machen soll und kann?

Jazzy: Definitiv! Ich selbst bin mit 15 schon von der Schule gegangen und habe nur den Hauptschulabschluss. Ich war in der gleichen Situation, in der viele Jugendliche in diesem Alter sind. Ich konnte mir nicht vorstellen, etwas zu machen, das für den Rest meines Lebens gelten sollte.

wassollwerden: Das ist ja auch ein bisschen früh, mit 15 Jahren so eine Entscheidung zu treffen.

Jazzy: Zur Schule gehen wollte ich einfach nicht mehr. Da ich nicht wusste, was ich werden sollte, bin ich auf eine Berufsschule gegangen und habe da ein Berufs-Grundschuljahr gemacht im Bereich Körperpflege, das beinhaltet Friseur und Kosmetik. Irgendwann habe ich dann eine Friseurlehre angefangen. Die musste ich aber abbrechen, weil ich auf viele Stoffe, mit denen man in diesem Beruf in Kontakt kommt, allergisch reagiert habe. Danach wusste ich wirklich nicht mehr, was ich eigentlich anfangen sollte mit meinem Leben. Glücklicherweise bin ich dann irgendwann bei Tic Tac Toe eingestiegen.

wassollwerden: Eigentlich eine ganz typische Geschichte, nur die wenigsten haben in einer solchen verfahrenen Situation das Glück, entdeckt zu werden. Hast du schon immer gesungen?

Jazzy: Nein, gar nicht, aber ich habe schon immer getanzt. Ich hab in Clubs kleine Show-Geschichten gemacht und eigene Choreografien und ich hatte eben Glück. Bei 99% ist das aber leider nicht so.

Ich komme noch aus einer anderen Zeit, bin ja jetzt fast 30 Jahre alt. Mitte der 90er-Jahre war die Ausbildungsplatzsituation noch nicht so angespannt wie heute. Oft konnten einem da auch noch die Eltern ein wenig helfen. Ich glaube, das ist heute schwieriger geworden.

Heute bleiben die wenigsten Leute ihr ganzes Leben lang in einem Betrieb. Als ich von der Schule ging, dachte ich, wenn ich irgendwo anfange zu arbeiten, bleibe ich da auch für den Rest meines Lebens. Das war für mich eine ganz fürchterliche Vorstellung.

wassollwerden: Tic Tac Toe bis zur Rente wäre auch eine lustige Sache!

Jazzy:
Na ja, nicht unbedingt. Ich glaube nicht, dass die Jugendlichen heute keinen Bock haben oder sich daneben benehmen, sondern dass viele einfach nicht weiterwissen und keine Vorstellung haben, was sie mit ihrem Leben wirklich anfangen wollen. Ich glaube, da muss man einfach helfen.

wassollwerden: Wir von wassollwerden haben ja Kontakt zu Jugendlichen in dieser Situation. Ein Problem ist sicher, dass beim Thema Beruf und Ausbildung Vorstellung und Wirklichkeit unangenehm aufeinander prallen.

Jazzy: Ganz genau. Ich denke, dass von den Schulen und Arbeitsämtern zu wenig Information rüberkommt. Man kann ja auch über Umwege viel erreichen. Auch als Kfz-Mechaniker kann man irgendwann an einer Rennstrecke stehen. Es geht doch darum, wie viel Power man in seine Ziele steckt. Man kann ja nach einer Ausbildung noch das Fachabi machen oder ein Studium beginnen und, und, und...Man muss sich einfach informieren, was alles möglich ist. Ich wusste damals auch nicht, dass man sich nach der Friseurlehre zur Maskenbildnerin ausbilden lassen kann.

Dann kann man später in Fernsehstudios Models und Schauspieler schminken, was ja ein ganz anderer Reiz ist, als sich vorzustellen, für immer in einem Friseursalon zu arbeiten.

wassollwerden: Es wird oft von Sekundärtugenden gesprochen, Ordnung und Pünktlichkeit zum Beispiel. Wir haben den Verdacht, dass es so etwas noch gibt und erfolgreiche Menschen oft einige dieser Eigenschaften haben. Man könnte da aber auch Freundlichkeit und Respekt im Umgang mit anderen als aktuellere Themen nennen. Wie wichtig schätzt du solche Tugenden für dein eigenes Fortkommen ein?

Jazzy:
Das ist auf jeden Fall wichtig. Meine Familie hat mir beigebracht, offen und höflich auf andere Menschen zuzugehen. Respekt vor Leuten, die schon mehr geschafft haben und vielleicht auch älter sind. Dass man zuhört, anstatt immer alles abzuwehren, das ist schon von Vorteil. Pünktlich sein gehört leider nicht zu meinen Stärken. Das habe ich nie wirklich geschafft.
Aber dass man sich engagiert und noch an etwas glaubt, das ist mir sehr wichtig.

wassollwerden: Glaubst du wirklich, dass dein Lied irgendeine Wirkung auf Jugendliche hat?

Jazzy:
Ich glaube nicht, dass ich damit die Welt verändere. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass eine Institution wie die IHK sich Gedanken macht, wie sie Jugendliche bewegen und ansprechen kann. Oft sprechen Institutionen ja über Jugendliche hinweg. Oft ist das alles sehr uncool und wie Altpapier. Es fühlt sich nicht schön an. So ein Lied zu machen, soll ja in erster Linie ein Zeichen setzen.

wassollwerden: Jazzy, hast du von Jugendlichen schon ein Feedback erhalten.

Jazzy:
Ja, natürlich. Das Feedback reichte von "Eigentlich ist es ja egal" bis zu "Cool, dass ihr so was macht." Es geht darum, Jugendlichen zu zeigen, dass sie nicht ganz allein sind mit ihren Problemen.

wassollwerden: Jazzy, wir danken dir für dieses Gespräch!