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Der soziale Faktor
Interessante Jobangebote stoßen auf eine Flut von Interessenten. Unternehmen erhalten so viele Bewerbungen, dass die Auswahl des richtigen Bewerbers zum Lotteriespiel wird. Oft erhalten deshalb auch aussichtsreiche Kandidaten ein genormtes Absageschreiben. Eine Möglichkeit, diesem System ein Schnippchen zu schlagen ist der "Soziale Faktor".
Bisher gehörte es beim Bewerbungsmarathon dazu, auch den Onkel einmal anzusprechen, der einen interessanten Job bei einem Traditionsunternehmen hatte. In Zeiten der Jobbörsen im Internet und der E-Mail Bewerbung wird dieser "soziale Faktor" immer wichtiger. Durch die zunehmende Transparenz und Öffentlichkeit von freien Stellen erreichen Personalentscheider eine immer größere Flut von qualifizierten Bewerbungen, die selbst größere Unternehmen vor schier unlösbare Probleme stellen. Wie soll aus der Masse der gut gemachten Anschreiben der richtige Bewerber ausgewählt werden?
Wie ein Experiment der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt aus dem Jahr 2005 eindrucksvoll beweist, haben auch ideale Bewerber/innen oft das Nachsehen. Sie erstellten den fiktiven Lebenslauf eines Traumkandidaten, des 31-jährigen Christian, der mit einer Abiturnote von 1,3, einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium der Universität Erlangen (Note ebenfalls 1,3), einem MBA der University of Georgia und jeder Menge Praktikumserfahrung im In- und Ausland auf Stellensuche ging.
Diesen schickten sie auf passende Online-Stellenausschreibungen an die Personalabteilungen. Auf 100 Aussendungen erhielten sie nach durchschnittlich zwölf Tagen in der Regel unpersönlich formulierte Absagen, wenn überhaupt eine Reaktion erfolgte. Nur viermal erhielt dieser aussichtsreiche Bewerber überhaupt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
Nun ist es beim derzeitigen Wirtschaftswachstum zwar durchaus leichter, eine Stelle zu ergattern, dennoch beweist dieser Versuch, wie wichtig der soziale Faktor beim Bewerbungsprozess ist. Natürlich ist man manchmal von Hemmungen begleitet, Freunde und Verwandte im Sinne des eigenen beruflichen Erfolgs einzuspannen. Dennoch kann die Überwindung der eigenen Schüchternheit entscheidend sein, um aus der anonymen Masse herauszuragen. Ebenso nachhaltig kann aber sportliches und gesellschaftliches Engagement zum beruflichen Erfolg beitragen. In den Sportvereinen, Parteien und Initiativen trifft wie sonst nur selten in der Gesellschaft Jung und Alt zusammen. Dort können Netzwerke geknüpft und tragfähige Verbindungen gepflegt werden, die später zum beruflichen Erfolg beitragen.
Wer sich im Rahmen seiner persönlichen Interessen in der Öffentlichkeit einer Interessengruppe als interessantes und verlässliches Mitglied präsentiert, erhöht auch seine Chancen, bei der Berufswahl Unterstützer und Förderer zu finden. Auch Unternehmen haben von dieser Kultur, die oft zu Unrecht als Klüngelei abgewertet wird, Vorteile. Denn wer auf Empfehlung eines/r Vereinsbruders/schwester in ein Unternehmen eintritt, fühlt sich doppelt verpflichtet, eine gute Leistung zu zeigen.
Privates Engagement ist also doppelt nützlich: Zum einen leistet es einen wertvollen Beitrag für die bürgerliche Gesellschaft, zum anderen versorgt es mit wichtigen Kontakten, die für die berufliche Zukunft wichtig sein können. Der "Soziale Faktor" hebt uns aus der Masse und vergrößert unseren Bekanntheitsgrad. Wir sollten öfter auf ihn setzen.
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