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Wie ich mich mit 16 gefühlt habe? Für die Zeit vor meinem Olympiasieg 1972 in München kann ich uneingeschränkt sagen: Heute geht es mir besser als damals, ich bin glücklicher.Was meine Stimmung damals trübte? Zum einen Probleme, wie sie viele Mädchen in diesem Alter haben: Ich hielt mich für unattraktiv. Fand mich zu dünn und zu groß. Zum anderen hatte ich durch meine Sportaktivitäten an der Schule wenig Bekannte: Wenn sich meine Mitschüler nachmittags trafen, habe ich trainiert. Ich war ja Kaderathletin. Das waren zwei Parallelwelten.Dazu kam: Elite und Wettbewerb lagen damals – Anfang der 70er - nicht wirklich im Zeitgeist. Viele dachten damals links und träumten von Gleichheit. Elite war uncool. Zudem galt Sport als unintellektuell. Das hat sich heute zum Glück geändert. Man hat festgestellt, dass Sportler auch im „wirklichen Leben“ erfolgreich sein können. |
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Dann kam die Goldmedaille in München. Es wäre gelogen, wenn ich heute sagen würde, dass ich den Rummel um meine Person nicht auch genossen hätte.Doch das hatte auch seine Schattenseite. Mit 16 Jahren konnte ich plötzlich nicht mehr unbefangen sein, weil ich allgemeine Aufmerksamkeit und Beobachtung erfuhr. Ich bin in den Pausen oft in der Klasse geblieben. Der Rektor sagte damals, dass er für mich da wäre, wenn ich Hilfe bräuchte. Das habe ich natürlich nicht in Anspruch genommen!Die Frage, ob ich etwas anderes machen wollte als Sport, stellte sich nach meinem ersten Erfolg in München nicht mehr. Natürlich hatte ich auch ein paar Jungmädchenträume. Ich konnte ganz gut malen und hatte überlegt, Modezeichnerin zu werden. Junge Leute träumen ja heute auch diffus von Medienberufen wie „Eventmanager“. Ich war in Deutsch ganz gut, wenn mir das Thema lag, ebenso in Kunst und in Mathematik. Anfangs auch in Latein, aber dann war ich faul – da war ich plötzlich nicht mehr so gut in Latein. In Englisch musste ich einmal eine Nachprüfung machen. Alles in allem bin ich aber ohne Wiederholung durchgekommen. Und das war für mich das Entscheidende, denn: |
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Für mich war das Abitur eine Mindestanforderung. Mir war klar, dass es Optionen im Leben öffnet, die sonst verschlossen bleiben.Nur welche? Ich wusste damals ebenso wenig wie viele junge Leute heute auch, was ich später machen will. Dann also Sport studieren. Was sonst? Allerdings wollte ich nie Sportlehrerin werden. Mir war aber der Abschluss wichtig, da ich ja nicht wusste, wie lange meine Sportkarriere noch tragen würde, und zumindest einen Beruf haben wollte. Ich habe dann lange in der Gesundheitsprävention der Betriebskrankenkasse der Bayer Leverkusen gearbeitet. Dort habe ich Themen wie Aids-Prävention und Ernährungsberatung kennen gelernt. Für mich war das ein spannendes Arbeitsfeld.P. S. Ich habe 12 Jahre gebraucht, um noch einmal Olympiagold zu erreichen. Ich hätte auch scheitern können. Das kann jedem so gehen, und darauf muss man vorbereitet sein. Ob Sänger, Tänzer, Sportler – wer talentiert ist, und realistische Chancen hat, in der Konkurrenz zu bestehen, der sollte das versuchen! Aber er darf beim Ansteuern seines Traumziels nicht vergessen, dass er im Falle eines Absturzes noch ein Netz vorbereitet haben sollte. Dafür sind Abschlüsse gut! Ulrike Nasse-Meyfarth im Internet: http://www.ulrike-meyfarth.de/ Alle Seite des INSM-Mercury-Specials in der Druckfassung zum Download. |









