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Professor Berger, Sie haben bereits als Student ein Wäschereiunternehmen geführt. War Ihnen schon als Schüler klar, dass Sie Unternehmer werden wollten?Mir war schon sehr früh klar, dass ich mich mit Wirtschaft befassen will. Bei uns zuhause wurde ständig über unternehmerische Fragen gesprochen: Mein Vater war Generaldirektor eines Unternehmens. Meine Mutter arbeitete als Geschäftsführerin im Gemischtwarenladen meiner Großeltern, später in einer Möbelfirma. Als zehnjähriger Junge besuchte ich einen Großhandelsbetrieb. Das hat mich fasziniert. Ich las Bücher über Unternehmer, wie den vor 150 Jahren geborenen Albert Ballin, der die HAPAG Lloyd gegründet hat.Waren Sie denn bereits in der Schule unternehmerisch aktiv? Ich weiß nicht, ob man das so bezeichnen kann… Jedenfalls musste ich mittags immer knapp eine Stunde warten, bis der Zug kam, der mich von der Schule in Nürnberg nach Hause fuhr. In dieser Zeit habe ich zwei bis drei Mal pro Woche Nachhilfestunden gegeben. So wurde ich früh ein wohlhabender Schüler. Es war indes eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Ich sparte meine Hausaufgaben und verdiente gleichzeitig Geld – und meine Nachhilfeschüler bestanden ihre Prüfungen. Waren Sie auf der Schule nie unsicher über Ihren persönlichen Weg? Natürlich überlegt man sich als junger Mensch auch Alternativen. So studierte ich zunächst ein Semester Elektrotechnik, um schnell festzustellen, dass das nicht meine Berufung ist! Ich wechselte zur Betriebswirtschaft. Während meines Studiums habe ich außerdem Vorlesungen aus den Bereichen Theaterwissenschaften, Psychologie, Geschichte und Kunstgeschichte besucht. Breite Bildung ist mir auch heute noch wichtig. Sie hat mir auch im Berufsleben stets genutzt. |
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Wie kamen Sie dazu, Unternehmensberater zu werden?Mehrere Zufälle brachten mich zur Unternehmensberatung: Der erste Zufall: Im letzten Semester musste ich ein Referat über die Auslagerung betrieblicher Funktionen auf Dritte zu halten, zum Beispiel die von Werbung auf Werbeagenturen. In diesem Zusammenhang habe ich erstmalig von Unternehmensberatungen gehört.Der zweite Zufall hängt mit der Wäscherei zusammen, die ich in meiner Studienzeit gegründet hatte. Einer meiner Kundinnen war eine alte Dame, Baronin von Gemmingen. Als ich ihr einmal die Wäsche auslieferte, fragte sie mich, was ich denn werden wolle. Meine Antwort: „Sicher nicht Wäschereimillionär“ – ich suchte eine Aufgabe, die mich intellektuell stärker ausfüllte. Die Baronin erzählte mir, dass ihr Sohn in Mailand bei einer amerikanischen Beraterfirma arbeite und meinte, ich solle mir das einmal ansehen. Das habe ich getan - und bin dort 5 Jahre lang geblieben, zuletzt als Partner dieser Beratung. Unternehmensberatung war in den 60er Jahren in Deutschland weitgehend unbekannt … Natürlich! Es war zudem eine Entscheidung gegen den Zeitgeist. Ich habe mich 1967, Anfang 1968 selbstständig gemacht. Da hatten viele junge Leute ganz andere Interessen als Wirtschaft! Aber es war mein Weg. Und es war eine Gelegenheit. Zufall und Glück gehören immer zu einer Karriere. Und wenn sich die Konstellation ergibt, muss man beherzt zugreifen! Jedenfalls sollte man nicht der Masse hinterherlaufen! Wie sind Sie dabei mit Risiken Ihrer Unternehmensgründung umgegangen? Ich konnte ohne großen Druck starten, denn ich hatte aus dem Verkauf meiner Wäscherei 600 000 Mark erlöst. Und ich hatte vor meiner Selbstständigkeit als Unternehmensberater bereits als Berater und Partner einer führenden amerikanischen Beratungsgesellschaft in Mailand und Boston gutes Geld verdient. Was würden Sie jemandem raten, der kurz vor dem Abitur steht und nicht weiß, wo sein Weg hingeht? Das wichtigste ist eine gründliche Selbstanalyse. Was kann man besonders gut, was weniger gut? Fast wichtiger noch: Was tut man gern? Kann man sich ein Leben damit auf lange Sicht vorstellen und gibt es dazu passende Berufsbilder? Der Entscheidungsprozess wird sicher heute erschwert durch Hemmnisse, die man zu meiner Studienzeit Anfang der 60er Jahre nicht hatte. So gibt es heute einen Numerus Clausus, und es gibt Arbeitslosigkeit, die selbst Universitäts-Abgänger trifft. Junge Leute müssen heute sicher in stärker in Alternativen denken – oder warten können. Und wenn ein Jugendlicher andere Berufsziele und Karriereziele hat, als die Eltern es wollen? Auf keinen Fall sollten er oder sie das Ziel kampflos aufgeben. Aber man sollte auch die Argumente der Eltern in den Entscheidungsprozess mit einfließen lassen und überlegen: Welche Vorteile brächte es, das zu tun, was die Eltern möchten? Wenn diese zum Beispiel ein Unternehmen haben, sollte man schon gute Gründe haben, ein solches Erbe auszuschlagen, etwa um stattdessen lieber Arzt zu werden. Die Fragen stellte Carsten Seim. Alle Seiten des INSM-Mercury-Specials zum Download. Roland Berger im Internet: http://www.rolandberger.com/ |








