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Beruf Jugendbibliothekarin

Linda arbeitet als Jugendbibliothekarin in einer Schul- und Stadtteilbibliothek.
Im Interview erzählt sie uns mehr über diesen tollen Beruf.

Übrigens: Wenn auch du schon einen Job hast, dann schreib uns und stell dich den Fragen der wassollwerden-Redaktion. Hilf anderen, bei der Berufswahl die richtige Entscheidung zu treffen!

Wassollwerden: Was hast du nach deinem Abitur studiert?

Linda: Ich habe direkt nach dem Abitur an der Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Bibliothekswissenschaft (damals noch Diplom, jetzt Bachelor) in Leipzig studiert. Im Hauptstudium habe ich dann den Schwerpunkt Kinder- und Jugendbibliotheken gewählt, der mich besonders für die Arbeit in Kinder- und Jugendbibliotheken, der Leseförderung und der Vermittlung von Medienkompetenz geschult hat.

Wassollwerden: Wie kam es dazu, dass du so viele Praktika absolviert hast?

Linda: In meinem Studium waren drei vierwöchige Praktika sowie ein Praktikumssemester Pflicht. Die kleineren Praktika habe ich in den Semesterferien gemacht, das große dann im fünften Semester. Das ist so vorgegeben gewesen und hat dazu beigetragen, dass ich theoretisch Erlerntes gleich in der Praxis anwenden konnte und auch Impulse bekommen habe, in welche Richtung ich später einmal gehen will. Im letzten Studienjahr habe ich nebenbei in der Universitätsbibliothek als studentische Hilfskraft im Lesesaal gearbeitet. Ruhiger Job, der auch gut im Lebenslauf aussieht und Erfahrung bringt…

Wassollwerden: In welchen Branchen hast du Praktika gemacht?

Linda: Ich war immer in Bibliotheken (einer Stadtbibliothek, einer Blindenbibliothek (=Spezialbibliothek), einer Jugendbibliothek und ein halbes Jahr in der Deutschen Nationalbibliothek). Die Praktikastellen habe ich mir selbst ausgesucht. Man kann das Praktikum aber auch in anderen IuD-Einrichtungen machen (IuD = Information und Dokumentation), also auch in Archiven, Informationszentren u.ä.

Wassollwerden: Was war positiv und was war nicht so toll an den Praktika?

Linda: Super war, dass ich vieles ausprobieren konnte und einen Einblick in sehr unterschiedliche bibliothekarische Tätigkeiten bekommen habe (Erwerbung, Katalogisierung, Veranstaltungsarbeit). Auch, dass ich sehr oft selbstständig arbeiten durfte, war klasse. So konnte ich ganz eigenständig eigene Projekte machen und meine Ideen einbringen. Nicht so toll war, dass mir nicht immer etwas zugetraut wurde, weil ich ja „nur“ Praktikantin war oder manchmal die Arbeit eintönig war (man sollte sich den Praktikumsplatz eben gut aussuchen!), aber daraus hab ich auch gelernt, was ich später machen will und was nicht. Das beste an einem Praktikum: nur, weil mich die Chefs schon kannten, haben sie mir diesen Job jetzt gegeben. Sie wussten, wie ich arbeite und wie ich so bin.

Wassollwerden: Wie bist du auf den Beruf der Jugendbibliothekarin gekommen?

Linda: In der elften Klasse hab ich mich mit der Berufswahl beschäftigt, weil mich die Ungewissheit verrückt gemacht hat. Mit Hilfe des Ausschlussverfahrens fiel schon mal einiges weg. Und ich hab nach Studium und Ausbildung geguckt. Ich wollte gern was mit Medien machen (diesen Satz hört man sicher sehr oft) und der Ausbildungsberuf Fachangestellte(r) für Medien- und Informationsdienste hat mich sehr interessiert. Ich saß bei Vorstellungsgesprächen und wurde dort gefragt, warum ich das denn mit meinen Noten nicht studieren wolle. Ich hab mich rausgeredet, aber ehrlich gesagt: ich wusste nicht, dass man das studieren kann! Im Studium oder vielmehr im Praktikum hab ich dann meine Leidenschaft für die Arbeit mit Kindern entdeckt und später, dass Jugendliche eigentlich eine etwas ungeliebte Zielgruppe in Bibliotheken sind. Dagegen wollte ich etwas tun!

Wassollwerden: Wie sah deine erste Woche im Job aus?

Linda: Oh Gott, sehr chaotisch. Das Haus war riesig und ich habe etwa 150 Kollegen. Ich habe erst mal ganz viele alte Bücher weggeschmissen! Die alte Schulbücherei war einfach viel zu verstaubt und unattraktiv!

Wassollwerden: Gab es auch Schwierigkeiten?

Linda: Ich hab gleich eine kleine „Chefposition“ bekommen und musste mich erst mal daran gewöhnen, nun Menschen zu sagen, was sie tun sollen. Weil ich noch sehr jung bin, musste ich mir erst mal ein wenig Anerkennung erkämpfen und oft muss ich mich vor Eltern oder Lehrern fast verteidigen, warum ich auch eine Bushido-Biografie gekauft habe – aber wenn sie die Kids zum Lesen bringt, warum denn nicht?

Wassollwerden: Hast du gleich gemerkt, dass das dein Traumberuf ist?

Linda: Ich hab schon beim Lesen der Stellenanzeige unbedingt hier arbeiten wollen, weil es genau mein Ding ist! Ich habe alles in der Hand, stehe aber trotzdem nicht alleine da. Ich kann viele Ideen umsetzen und mit den Jugendlichen arbeiten, ihnen tolle Medienangebote machen und sie die Lust am Lesen wiederentdecken lassen. Also ja, absoluter Traumberuf! Natürlich war es aber auch wie ein Sechser im Lotto, denn als Berufsanfänger bekommt man nicht immer so eine Chance.

Wassollwerden: Wer ist dein Arbeitgeber?

Linda: Der Kreis Offenbach.

Wassollwerden: Hattest du vor deiner Anstellung schon mal etwas von diesem Beruf gehört?

Bei einem Berufswahltest von der Agentur für Arbeit kam „Bibliothekarin“ als Ergebnis raus und ich hab nur gelacht, weil ich völlig falsche Vorstellungen von dem Beruf hatte. Dabei hab ich gedacht, die stellen Bücher ein und haben einen Dutt und Stützstrümpfe… Ein Grund mehr für mich, mit dem Klischee aufzuräumen!

Und wer glaubt, Bibliothekare haben es nur mit Büchern zu tun, der irrt: der Anteil von nicht gedruckten Medien in Jugendbibliotheken sollte um die 50% liegen und fit am PC und im Internet sollte man ebenfalls sein oder zumindest bereit sein, es zu lernen.

Wassollwerden: Wirst du darum beneidet, deinen Traumjob gefunden zu haben?

Linda: Ich denke schon, dass viele meiner Kommilitonen und Freunde sich freuen, dass ich die Stelle habe, denn sie wissen, dass es für mich das Richtige ist. Doch nicht für jeden, mit dem ich gelernt habe, wäre der Job super.

Wassollwerden: Wie finden deine Eltern deinen Beruf?

Linda: Anfangs konnte mein Vater nicht verstehen, dass man einen „aussterbenden“ Beruf lernen will. Aber jetzt sieht er, wie wohl ich mich damit fühle und er akzeptiert es. Meine Mom findet’s toll.

Wassollwerden: Wie schaffst du/dein Team es, auch Lesemuffel anzusprechen?

Linda: Wir machen Book-Slams und Büchercastings, wo die Jugendlichen Bücher auch mal mies machen dürfen und sich einem völlig unbekannten Jugendbuch nähern. Dabei schau ich natürlich, dass die Bücher super attraktiv aussehen und nicht zu dick sind. Aktuell sollten die Bücher sein und nicht zu abgenutzt aussehen. Bücher, die Filme oder TV-Serien ergänzen, sprechen auch Lesemuffel an. Und wir zwingen niemanden, die Jugendlichen sollen wissen, dass es auch okay ist, wenn sie nicht gern lesen. Das ist in dem Alter normal. Wir wollen nur nicht, dass sie Bücher hassen und grundsätzlich etwas dagegen haben. Mit den Simpsons kriegt man eigentlich auch viele zum (unbewussten) Lesen. ;-)

Wassollwerden: Hast du selbst schon immer gerne gelesen?

Linda: Mir wurde als Kind vorgelesen und später hab ich auch viel gelesen, aber so mit 14/15 Jahren waren Bücher voll uninteressant geworden. Die Lese-Leidenschaft ist dann so nach dem Abi wieder entflammt mit dem Studium. Aber ich lese ziemlich langsam…

Wassollwerden: Kannst du von deiner Arbeit gut leben?

Linda: Es ist in Ordnung. Mit den Jahren wird man im Öffentlichen Dienst dann immer höher gestuft.

Wassollwerden: Ist deine Stelle sicher, oder musst du darum bangen?

Linda: Momentan ist meine Stelle befristet, aber es sieht derzeit alles so aus, dass es ein unbefristeter Vertrag wird.

Wassollwerden: Wo siehst du dich in fünf Jahren beruflich?

Linda: Na zwischen unseren Sitzsäcken mit einer Jugend-Literatur-Jury oder bei einem W-Lan-Festival in unserer Bücherei! Ich halte aber trotzdem die Augen offen nach einer attraktiven Stelle in meiner Heimat, denn meine Familie wohnt weit weg…

Wassollwerden: Was rätst du den Lesern von wassollwerden.de, die sich für den Beruf der Jugendbibliothekarin interessieren?

Linda: Studiert in Leipzig! Seid neugierig und offen für neue Medien und lasst euch nicht einreden, das Buch sei tot!

Wir danken Linda herzlich für dieses tolle Interview!
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