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„Mädchen müssen schneller Karriere machen“

Mit 36 wurde Johanna Hey Direktorin des Instituts für Steuerrecht an der Universität Köln. Mit 32 hatte sie in Düsseldorf ihren ersten Lehrstuhl als Professorin inne. Johanna Hey hat von außen betrachtet eine Blitz-Karriere hingelegt. Doch der Weg nach vorn war nicht so eben und leicht, wie es scheint. Interview mit der Professorin für Steuerrecht, die einmal Ärztin werden wollte.

Frau Professor Hey, hatten Sie das Ziel, Professorin für Steuerrecht zu werden, als Abiturientin schon im Visier?

Überhaupt nicht! Über meinen Beruf habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Außer für Sport, Physik und Chemie habe ich mich eigentlich für alles interessiert.

Wie und wann haben Sie sich für Ihren Berufsweg entschieden?
Ich konnte mich nach dem Abitur zunächst nicht entscheiden, ob ich Ärztin werde und damit den Beruf meiner Mutter ergreife – oder eben Jura studiere. Ich habe dann zunächst parallel beides belegt. Es war eine meiner schmerzlichsten Erfahrungen beim Erwachsenwerden, mich auf ein Arbeitsfeld  limitieren zu müssen. Aber auf der anderen Seite schuf das auch Identifikation mit dem Fach, für das ich mich entschieden hatte. Kurz nachdem ich mein Doppelstudium aufgegeben hatte, bin ich in der Juristerei richtig aufgegangen.

Haben Sie einen Tipp, wie man die Entscheidung für den einen oder anderen Job vorbereitet?

Ich kenne da kein Patentrezept, kann aber nur jedem raten, sich umzuschauen und unterschiedliche Berufe kennenzulernen. Man kann Bekannte der Eltern ansprechen  oder in Unternehmen hospitieren.

Haben Sie für Ihre Karriere auch einen Preis bezahlt, den andere weniger Erfolgreiche vielleicht nicht zu zahlen hatten?
Eine Universitätskarriere fliegt einem nicht zu. Gerade das Tempo, in dem ich Karriere gemacht habe, hat mich oft gezwungen, auf Freizeit weitgehend zu verzichten. Andererseits fand ich Arbeit stets befriedigend, so dass mir nicht so viel gefehlt hat. Ich halte übrigens ein hohes Karriere-Tempo für Frauen für besonders wichtig. Meine hochbegabten Freundinnen, die schon im Studium Kinder bekommen haben, sind beruflich nicht so erfolgreich, wie sie es sein könnten. Sie sind mit ihren Familien sehr glücklich. Aber wenn man beides – eine wirklich anspruchsvolle Karriere und Kinder – will, so ist es einfacher, das Thema „Familie“ in Angriff zu nehmen, wenn man beruflich schon fest im Sattel sitzt.

Was würden Sie aus heutiger Sicht jungen Leuten raten? Auf welche Weise findet man den Erfolg? Und wie findet man ihn garantiert nicht?

Gelegentlich frage ich Studenten und Doktoranden, wo sie sich in zehn Jahren sehen wollen. Natürlich ist auch eine Universitätskarriere nur begrenzt planbar. Im Leben kommt eben vieles anders als man denkt. Dennoch sollte man sich gelegentlich Rechenschaft über seine Ziele ablegen, um den Weg, den man vor Augen hat, nicht aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig den Anspruch mit den eigenen Möglichkeiten und Voraussetzungen zu vergleichen. Grundsätzlich rate ich meinen Studenten aber auch zur Gelassenheit. Sie überschätzen oft die Bedeutung einzelner Entscheidungen. Erfolg oder Misserfolg ist die Folge einer Summe von Entscheidungen. Und: Ob man später Karriere macht,  hängt sehr stark von der inneren Einstellung ab – sicherlich auch von den Arbeitsmarktchancen für Bewerber aus bestimmten Fächern. Unabhängig vom Fach sind Flexibilität und Eigeninitiative entscheidender für den späteren Erfolg im Beruf.

Mit Johanna Hey sprach Carsten Seim.

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