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Katharina, 23, Hauswirtschafterin

Hauswirtschafterin? Ob sich für diesen Beruf wirklich viele begeistern können? Da fällt vielen einem doch gleich die gestresste Mutter ein, die diesen Job meist unentgeltdlich nebenher erledigen muss. Mal schauen, was der Profi dazu zu sagen hat. Katharina hat den Beruf der Hauswirtschafterin furchtlos ergriffen und berichtet aus der Perspektive der Hauswirtschafts-Expertin!

Die Zeit davor

Als es darum ging, mich für einen Beruf zu entscheiden, wusste ich nicht genau, was aus mir werden sollte. Meine Mutter hat auch den Beruf der Hauswirtschafterin gelernt und da man Hauswirtschaft in seinem Leben immer gut gebrauchen kann, habe ich mich dann ebenfalls für diese Ausbildung entschieden. Schließlich lernt man hier Grundlagen fürs Leben wie Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Haushaltsplanung u.s.w. Das kann ja kein Fehler sein. Zudem habe ich eigentlich Spaß am Haushalt,kümmere mich gern um andere Menschen und koche und backe auch gern.

Nach dem Berufsgrundschuljahr habe ich mich übers Arbeitsamt und dem Ausbildungs-Stellen-Informationssystem (ASIS) bei sechs verschiedenen Stellen beworben. Nachdem meine Bewerbung draußen war, habe ich gleich alle drei Tage bei den Betrieben angerufen, um nachzufragen, wie es so aussieht. Persönlich vorgestellt habe ich mich nur einmal. Das war dann auch der Betrieb, in dem ich den Ausbildungsplatz bekommen habe.

Meine Mam war ganz stolz, dass ich ihr nacheifern wollte. Außerdem wusste sie, dass ihre Tochter jetzt sämtliche Grundlagen der Haushaltsführung lernen würde. Normalerweise lernt man das ja von seiner Mutter, aber wenn die Mutter berufstätig ist, fehlt da leider die Zeit. Meinem Pa war es eigentlich ziemlich gleichgültig, Hauptsache, ich mache eine Ausbildung!

Das erste Jahr

Mein erster Eindruck von meinem Ausbildungsplatz war eher erschreckend. Zunächst musste ich ja von Mittenwald, einem kleinen Bergdorf, in die Großstadt nach München. Wir hatten zwar früher in Dachau (ein Vorort von München) gewohnt, aber das war ja mit meiner Familie. Zudem war ich noch keine 18 und ich bekam keinen Schlüssel für die Haustüre, sondern nur einen Zimmerschlüssel. So hatte ich schon das Gefühl „eingesperrt“ zu sein. Ich musste jeden Abend um spätestens 22 Uhr in meinem Zimmer sein. Mit den anderen Azubis habe ich mich nicht so gut verstanden und so hatte ich auch niemandem, mit dem ich „um die Häuser ziehen“ konnte bzw. der mich nach 22 Uhr wieder ins Haus reinließ. Der erste Eindruck von den anderen Mitarbeitern war eigentlich komplett positiv, was sich später aber noch gewaltig ändern sollte.

Der Chef des Hauses war ein recht lauter und strenger Mensch. Ich hatte zeitweise richtig Angst vor ihm! Er lief einem mindestens einmal am Tag über den Weg und wenn man ihn dann nicht korrekt grüßte, bekam man einen Anschiss! Meine Ausbilderinnen waren eigentlich sehr nett. Die eine war zwar in Fachfragen sehr inkompetent, aber vom Menschlichen her eigentlich O.K. Die andere war menschlich wie fachlich erste Sahne!Mit meinen Kollegen gab es im ersten Jahr eigentlich kaum Probleme, erst im zweiten Ausbildungsjahr gab es richtig Zoff. Ich hatte schon des Öfteren das Gefühl, dass man als Azubi wie ein Volltrottel behandelt wird. Die Hierarchie war schon sehr krass. Richtig aufgelehnt habe ich mich aber trotzdem nicht, höchstens mal geweint oder mit meiner Mam telefoniert.

Im ersten Lehrjahr übernahm ich verschiedene Aufgaben, je nachdem, was zu tun war. Ich habe gern die Küchenmeldung gemacht (wie viele Leute zum Essen da sind, wann wo gegessen wird etc.) den Speisesaal eingedecken, an der Spülmaschine gespült, und in der Großküche den Köchen zugearbeitet.

Von den Aufgaben her habe ich mich nie überfordert gefühlt, eher vom Menschlichen her. Ich musste erst mal lernen, dass auch Erwachsene scheiße sein können, dass sie lügen und egoistisch sein können. Bevor ich die Ausbildung angefangen hatte, hatte ich Erwachsene immer als ehrlich und freundlich erlebt. 

Mein strenger Chef war allerdings sehr großzügig. Alle zwei bis drei Monate bekamen wir eine Gehaltserhöhung. Dafür mussten wir aber ohne zu meckern Wochenenddienste machen und auch nach der Berufschule noch arbeiten kommen (obwohl das eigentlich verboten ist). Diese Wochenenddienste waren nur dazu da, den Chef zu versorgen. Wir mussten Samstag und Sonntag morgens und abends zur Arbeit kommen, um ihm Frühstück und Abendessen zu richten und es vor seine Wohnungstür zu stellen. Teilweise bin ich morgens nach der Disko noch schnell in die Arbeit, um ihm sein Frühstück zu machen.

Für meine Hobbys hatte ich auch noch Zeit, denn wir hatten für jeden Tag, den wir am Wochenende gearbeitet hatten, einen Tag unter der Woche frei. Eigentlich wollte ich auch noch weiter ins Fitnessstudio gehen, aber das habe ich nach der Arbeit nicht mehr geschafft, dazu war ich einfach zu fertig.

Das zweite Jahr

Im zweiten Lehrjahr wurde ich selbstbewusster und habe mich auch mal getraut, den Mund aufzumachen. Der Chef des Hauses konnte mich immer besser leiden, weil ihm meine Art gefiel. Mit den Kollegen kam ich gut klar, weil meistens ich es war, die für die Belegschaft den Mund aufmachte. Eine Kollegin hatte ihren Meister gemacht und meinte nun, auch für uns als Ausbilderin zuständig zu sein. Mit ihr bin ich sehr schnell zusammengerutscht, als ich ihr klar machte, dass sie für mich keine offizielle Ausbilderin war! Ein Ereignis muss ich hier kurz schildern: Wir Azubis gingen zusammen zum Mittagstisch und haben dabei rumgealbert. Diese eine Person, die mich nicht mochte, saß schon am Tisch und sagte dann total aggressiv zu mir: „Halt dein Maul! Halt dein verdammtes Maul!“ Alle hatten das mitbekommen. Ich habe ihr natürlich Contra gegeben. Mit dieser Person gab es echt total viel Zoff. Wegen ihr wurde ich dann auch nicht übernommen und musste gehen. Ich hatte schon meine Leute, die mich mochten. Andere aber kamen mit meiner ehrlichen Art nicht klar.

Besonders motiviert war ich, als ich erkannt habe, wie groß meine Perspektiven für die Zukunft sind. Ich kann ja im Großhaushalt (Altenheime, Kinderheime. Hotels) oder im Privathaushalt arbeiten. Ich hatte das Gefühl, eine gute Berufswahl getroffen zu haben. Weniger begeistert war ich, wenn ich mal wieder wochenlang jeden Tag acht Stunden nur Zimmer zu reinigen hatte. Ich dachte mir echt, ich bin doch keine Putzfrau!

Über diese Phasen half mir der Gedanke hinweg, dass ich ja auch wieder wochenweise in die Großküche durfte, und dass eben leider auch das Putzen zum Berufbild dazugehört. Meine Ausbilderin hat mich auch immer sehr gut motivieren können. Außerdem hatte ich neben der Ausbildung noch genug Zeit für mich.

Da die „Katholische Akademie“ ein Erwachsenenbildungwerk ist, hatten wir viele so genannte Studientage. Da kamen eben - je nach Thema - mal mehr, mal weniger Gäste, die von uns mit Brotzeit in den Pausen und Mittagessen im Speisesaal versorgt. Die beste Aufgabe war, als wir Azubis ganz allein (mit Unterstützung der Ausbilderinnen) einen Studientag zum Thema „Harry Potter“planen durften. Das Haus war gerammelt voll und wir übernahmen die Planung der Sitzplätze, die Speiseplangestaltung und die Planung des Mittagsservices: Dieselben Aufgaben wie im ersten Lehrjahr, aber  mit mehr Verantwortung.

Besonderen Spaß hat es mir gemacht, zusammen mit den Köchen riesige Buffets aufzustellen, in der Großküche mitzuarbeiten und abends dann in „Uniform“ die Reaktion der Gäste zu sehen. Ich habe auch sehr gern die so genannte Zwischenreinigung der Zimmer (wenn sie mit Gästen belegt sind) gemacht. Betten machen, Müll entleeren, Bad putzen, einfach alles tun, damit sich der Gast wohl fühlt, wenn er nach einem Studientag wieder zurück in sein Zimmer kommt.

Genervt hat es mich, wenn es hektisch wurde und man nur begrenzt Zeit hatte, die Zimmer nach der Abreise eines Gastes wieder herzurichten.

Das letzte Jahr

Mein höchstes Ziel im dritten Lehrjahr war es, meine Ausbildung gut abzuschließen. Ob ich den erlernten Beruf auch ausüben wollte, darüber war ich mir zwar immer noch nicht ganz sicher, aber auf jeden Fall wollte ich die Ausbildung erfolgreich beenden. Das hat ja dann auch geklappt: Ich bestand als Klassenbeste die Prüfung und bekam eine Auszeichnung (ein Kochbuch!). Meine Eltern waren sehr stolz auf mich.

Nach der Prüfung war ich echt froh, alles hinter mir zu haben. Da ich ja wegen meiner Schwierigkeiten mit einer Kollegin nicht übernommen werden sollte, hatte ich mich schon vor meiner Abschlussprüfung bei verschiedenen Stellen beworben.

Leider gab’s keinen reibungslosen Übergang und ich war erst mal sechs Monate arbeitslos. Dann hatte ich aber wieder einen Job und konnte dort auch meinen Meister machen, für den man ein Jahr Berufspraxis braucht. Mittlerweile habe ich auch meinen Techniker gemacht. Jetzt kann als Hauswirtschaftsleiterin arbeiten und bin befugt, Azubis auszubilden. Ich würde gern in fünf Jahren in einem überschaubaren Betrieb arbeiten und drei Azubis haben. Oder als Küchenleitung in einem Altenheim oder Kinderheim arbeiten. In fünf Jahren bin ich 27. Mal schaun, was dann ist...
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