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Isabella, 22, Friseurin

Ohne Abschluss bekommt man keine Lehrstelle? Isabella hat es trotzdem geschafft. Ihre Schulzeit kann man als turbulent bezeichnen. Zusätzlich ist sie alles andere als angepasst und mit Autoritäten hat sie auch so ihre Schwierigkeiten. Doch für Isabella war das alles kein Grund aufzugeben. Und mit Kreativität und Spucke hat sie ihr großes Ziel erreicht und ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Die Zeit davor

Mit dem Friseurberuf wurde ich schon ganz früh bekannt gemacht. Die beste Freundin meiner Mutter war Friseurin und hat bei uns zu Hause immer die Haare der  gesamten Familie geschnitten. Schon als kleines Kind habe ich da total fasziniert zugeguckt und wusste: Das will ich auch mal können.

Meine Schulzeit war eine echte Katastrophe. Ich bin in der siebten Klasse von der Realschule geflogen, dann bin ich auf die Hauptschule gewechselt. Im achten Schuljahr bin ich auch von der Hauptschule geflogen. Ich habe also gar keinen Schulabschluss.

Meine Ausbildung habe ich mit 15 Jahren angefangen. Zunächst habe ich sehr viele Praktika gemacht. Das würde ich jedem so empfehlen. Da ich ziemlich gut quatschen kann, habe ich trotz meines fehlenden Schulabschlusses einen Ausbildungsplatz bekommen. Ich habe mich einfach selbstbewusst vorgestellt und das hat dann auch geklappt.

Das erste Jahr

Damals in Breisach, das war meine erste Ausbildung. Das war ziemlich enttäuschend. Dort durfte ich eigentlich gar nichts machen außer fegen, Kaffee kochen und Sekt bringen. Das war mir schnell zu blöd. Auch mit dem Chef habe ich mich nicht gut verstanden. Ich habe einfach ein totales Autoritätsproblem. Ich kann mir einfach nichts sagen lassen. Die Ausbildung habe ich einfach abgebrochen. Ich hab mein Zeug hingeschmissen, denen den Finger gezeigt, na ja.

Dann war ich erst mal ein halbes Jahr arbeitslos. Irgendwann habe ich mich in einem kleineren Geschäft auf dem Land beworben. Da waren Dauerwellen und die klassischen Hausfrauenfrisuren angesagt. Das war nicht meine Erfüllung, aber ich habe die Grundlagen gelernt, die halt eben auch sehr wichtig sind. Dass Haare springen zum Beispiel. Ich bekam einen Eindruck davon, wie Haare aufgebaut sind und wie man es schafft, durch eine Frisur einen optischen Eindruck zu verbessern. Wie man ein Gesicht formt. Wenn man ein etwas breiteres Gesicht hat, kann man es durch eine höhere Frisur zum Beispiel optisch schmaler machen. Aber Dauerwelle ist einfach nicht mein Ding, ich schneide viel lieber. In diesem Geschäft war ich etwa 1 Jahre.

Das zweite Jahr

Nach zwei abgebrochenen Ausbildungen wollte mich keiner mehr nehmen. Da musste ich in den sauren Apfel beißen und bin nach Kenzingen. Das Geschäft war leider auch ziemlich klein. Es gehörte einem älteren Herrn. Am Anfang musste ich viel fegen und zugucken, denn man lernt halt viel übers Zuschauen. Gucken, gucken, gucken. Doch der Chef merkte bald, dass ich schon ein größeres Potential hatte, gerade beim Haarschnitt. Also durfte ich schon im zweiten Lehrjahr Haare schneiden, was sehr selten ist.

Es ging auch nur einmal etwas schief. Das Schlimmste, was mir je passiert ist, war, als einmal ein Kunde ein Muster in den Hinterkopf geschnitten bekommen wollte. Ich traue mir ja grundsätzlich immer alles zu, deshalb dachte ich, das probier ich mal. Ich habe angefangen, der wollte so ein Zickzack-Muster und ich merkte, dass ich mit der Maschine abrutschte. Das wollte ich korrigieren, doch stattdessen wurde es immer schlimmer. Meine Kolleginnen hinter mir bogen sich schon vor Lachen. Heute kann ich auch darüber lachen, aber damals war mir das natürlich total peinlich. Irgendwann musste ich dem Kunden dann sagen: „Tut mir Leid, da können wir nur noch eine Glatze draus machen.“ Der war dann ganz geknickt, aber er hat es schon verkraftet. Selbstverständlich musste er diesen Schnitt nicht bezahlen.

Das letzte Jahr

Im dritten Lehrjahr habe ich eigentlich schon voll gearbeitet. Da durfte ich auch schon Frauen die Haare schneiden, was immer ein bisschen schwieriger ist. Ich habe dann wirklich sehr erfolgreich abgeschnitten, was so mancher nicht für möglich gehalten hätte. Ich war Zweitbeste der Innung – supergut!

Die Innungsbesten werden aus den Leistungen im Betrieb und den Noten der Berufsschule ermittelt. Trotzdem war das Verhältnis zu meiner Meisterin nicht so gut. Der Chef war gestorben und seine Frau hat das Geschäft weitergeführt. Ich konnte absolut nicht vertreten, wie die geschnitten hat. Sie hat nur Haare geschnitten, damit sie kürzer werden. Wenn sie mir irgendwas gezeigt hat, habe ich gesagt: „Ne, das mach ich nicht, ich will nicht so schneiden wie du.“ Ich hab ja leider dieses Autoritätsproblem. Ab und zu hat sie gesagt: „Geh endlich nach Hause, du reichst mir!“ Das war mir teilweise auch zu familiär.

...und jetzt?

Isabella hat einige Zeit bei einem mehrfach ausgezeichneten Friseur gearbeitet. Inzwischen ist sie nach Berlin gezogen. Sie macht immer wieder Kurse bei Vidal Sassoon in London. Demnächst eröffnet sie einen Friseursalon in Berlin Mitte.

Ihr Ziel ist es, die Ansprechpartnerin der Berliner Musikszene in Styling- und Frisurfragen zu werden. Erste Schritte in diese Richtung hat sie schon unternommen.
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