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Teamarbeit für helle Köpfe: Die Berufswelt der Metall- und Elektro-Industrie

Mit Dr. Heike Maria Kunstmann haben wir eine Interviewpartnerin mit viel Einfluss gewonnen. Als Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall vertritt sie die Interessen der Unternehmen der Metallverarbeitenden- und Elektroindustrie. Was hat sie zur Situation von Schulabgängern zu sagen?

wassollwerden: Frau Dr. Kunstmann, danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Viele Schulabgänger sind verunsichert über die Berichte von Billigarbeitskräften aus Polen. Wie sieht die Situation in der Metall- und Elektro-Industrie aus?

Frau Dr. Kunstmann: In der Metall- und Elektro-Industrie arbeiten hochqualifizierte Fachleute. Eine gute Ausbildung und Erfahrung sind Voraussetzungen, um dort erfolgreich zu sein. Europa ist offen für den Austausch von Waren. Alle Menschen sind frei, in anderen europäischen Ländern zu arbeiten. Diese Freiheit ist eine große Chance für alle! Es bedeutet nämlich auch, dass Deutsche in Hotels in Österreich arbeiten und Schweden sich von deutschen Ärzten behandeln lassen.

wassollwerden: Lohnt es sich überhaupt, eine Ausbildung in der Metall- und Elektro-Industrie zu beginnen, oder kann man damit rechnen, dass diese Arbeitsplätze in Billiglohnländer entschwinden werden?

Frau Dr. Kunstmann: Der Bedarf an Mitarbeitern unterscheidet sich in unseren 12 Branchen (von der Automobilindustrie bis zum Maschinenbau) nach dem Grad der Qualifikation. Tendenziell gilt, dass gut ausgebildete und motivierte Fachleute immer gebraucht werden.

wassollwerden: Ist Deutschland als Produktionsstandort überhaupt zu halten?

Frau Dr. Kunstmann: Aber natürlich! Die Produktion in Deutschland ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk. Manche Vorprodukte werden im Ausland gekauft, und auf diese Weise bleiben beispielsweise Autos bezahlbar. Das bedeutet aber natürlich, dass die reine Produktion an Bedeutung verliert. Wichtiger werden Forschung und Entwicklung, werden Marketing und Kundendienst. Das hat Auswirkungen auf die Qualifikation und Ausbildung der Mitarbeiter: Wissen ist viel wichtiger als Körperkraft!

In der Metall- und Elektro-Industrie haben wir im Übrigen mit rund 3,5 Millionen fast noch so viele Arbeitsplätze wie vor zehn Jahren. Und in Wirklichkeit hängt da noch mehr dran, denn es gibt viele Dienstleistungen, die untrennbar mit der Industrie verbunden sind. Insgesamt ist das ein Netzwerk von sechs Millionen Arbeitsplätzen. Das ist schon eine starke Grundlage.

wassollwerden: Welche Berufe im Bereich Metall- und Elektro-Industrie haben die größten Zukunftschancen?

Frau Dr. Kunstmann: Grundsätzlich hat jede Ausbildung in unserem Industriezweig Zukunft. Wir haben gerade erst die M+E- Ausbildungsberufe neu geordnet und mit der 2-jährigen Berufsausbildung auch Berufe für lernschwächere Jugendliche. In allen Berufen wird eine breite Grundlage vermittelt, die dann im Berufsleben durch ständige Weiterbildung ergänzt wird. Durch dieses Prinzip des "lebenslangen Lernens" wird das Wissen auf dem neuesten Stand gehalten. Das gilt im Übrigen auch für diejenigen, die nach einem Studium in unsere Branche einsteigen. Vor allem gute Ingenieure werden gebraucht!

wassollwerden: Zu welcher Ausbildung aus der Metall- und Elektro-Industrie würden Sie raten?

Frau Dr. Kunstmann: Wir bieten viele Berufe zur Auswahl, nicht nur die Metall- und Elektro-Berufe, sondern auch kaufmännische und IT-Berufe. Da kann jeder Jugendliche den eigenen Stärken nach etwas finden, was zu ihr oder zu ihm am besten passt. Egal, auf welchen Ausbildungsberuf die Entscheidung fällt: Es gibt eine gute Ausbildung in einem spannenden, zukunftsträchtigen Bereich, mit guten Übernahmechancen in eine dauerhafte Beschäftigung. Wichtig ist, dass Menschen lernen, gut sind und einen Beruf wählen, an dem sie Freude haben.

wassollwerden: Werden besonders begabte M+E-Azubis gefördert?

Frau Dr. Kunstmann: Neben der individuellen Förderung durch die ausbildenden Betriebe gibt es die Möglichkeit eines Sonderstipendiums der Stiftung Begabtenförderung. Informationen hierzu haben die örtlichen Industrie- und Handelskammern. Viele Regionen bieten auch duale Studiengänge an. Hier kann die Ausbildung mit einem Fachhochschulstudium kombiniert werden. Das ist praxisnah, abwechslungsreich und spannend.

wassollwerden: Wie sehen die Aufstiegschancen aus?

Frau Dr. Kunstmann: Wer sich engagiert, sein Team voranbringt und anerkannt ist, kommt immer weiter. Dies gilt für die Ausbildung oder ein Studium ebenso wie für die Karriere im Betrieb!

wassollwerden: Was wünschen sich die Arbeitgeber von Schulabgängern? Welche Kompetenzen werden besonders gewünscht?

Frau Dr. Kunstmann: Am wichtigsten sind meiner Erfahrung nach: solide Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften - und man muss sich, gerade in einem Team, auf jemanden verlassen können. Wichtig ist auch die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken. Wir nennen das Prozess- oder Handlungsorientierung. Diese werden bei den immer komplexer werdenden Arbeitsanforderungen zum entscheidenden Kriterium.

wassollwerden: Die Metall- und Elektro-Berufe gelten ja eher als nüchtern. Werden auch so genannte Soft Skills in die Bewertung eines Bewerbers einbezogen?

Frau Dr. Kunstmann: Unsere Unternehmen bauen Sportwagen und den Airbus 380, sie forschen an Nanotechnologie, mit ungeheurer Präzision werden computergesteuert High-Tech-Produkte hergestellt: Wer einmal erlebt hat, wie der Arbeitsalltag aussieht, wird die Berufe kaum als nüchtern bezeichnen können! Köpfchen und Teamarbeit sind heute, in allen Berufen, wichtiger denn je. Unserer Produkte müssen fehlerfrei sein. Jeder muss sich auf seine Kolleginnen und Kollegen verlassen können. Außerdem macht die Arbeit viel mehr Spaß, wenn die Stimmung gut ist. Übrigens, gerade weil es immer mehr auf Wissen und immer weniger auf Kraft ankommt, haben Mädchen sehr gute Chancen!

wassollwerden: Wie erhalte ich als Schüler Informationen über Metall- und Elektro-Berufe?

Frau Dr. Kunstmann: Am einfachsten über das Internet: www.meberufe.info. Dort gibt es unter anderem auch eine speziell produzierte DVD und eine Reihe von Broschüren. Und die Schüler können sich an Bord unserer InfoMobile umsehen. Das sind Busse und Trucks, die regelmäßig an Schulen zu Besuch sind.

wassollwerden: Können sich Schüler oder Schulen um einen Besuch bemühen?

Frau Dr. Kunstmann: Schulen in ganz Deutschland können sich um einen Besuch der InfoMobile bemühen: Unter www.meberufe.info gibt es alle notwendigen Informationen, auch die Möglichkeit, per E-Mail nach Terminen zu fragen. Rund 150.000 Schüler informieren sich jedes Jahr in einem der InfoMobile!

wassollwerden: Wo bekomme ich Informationen über freie Ausbildungsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie?

Frau Dr. Kunstmann: Bei den Stellenbörsen der Verbände, der IHK-Lehrstellenbörse sowie den Arbeitsagenturen. Und nicht zuletzt auch in den InfoMobilen und den Unternehmen selber.

wassollwerden: Kann man sich auch Info-Material zusenden lassen?

Frau Dr. Kunstmann: Klar. Die Internet-Seite www.meberufe.info bietet auch Informationen für Schüler und Lehrer. Wer ein Händchen für die mathematisch-technischen Fächer hat, sollte sich die Informationsseite rund um den Ingenieurberuf www.think-ing.de näher ansehen. Und wer sich über eine Ausbildung in den Computerberufen erkundigen möchte, kann das auf www.it-berufe.de tun.

wassollwerden: Frau Dr. Kunstmann, wassollwerden.de sagt Ihnen herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.