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Autodidakten

In Deutschland wird allgemein viel Wert auf Scheine und Ausbildungen gelegt und sie gelten als die Basis für die berufliche Karriere. Doch die neuen technischen Entwicklungen sind häufig schneller am Markt als Studiengänge, die diese Fertigkeiten ausbilden, deshalb haben einige die Nase vorn: Die Autodidakten.

Ein Autodidakt ist jemand, der sich im Selbststudium Wissen auf hohem Niveau aneignet. Und diese Fähigkeit ist gerade im Bereich der Neuen Medien, die ja eigentlich gar nicht mehr so neu sind, gefragt.

Ob die Einrichtung eines Wordpress Blogs oder der Bau eines Webshops, viele Programmierer sind zumindest teilweise Autodidakten.

Aber auch im Bereich Online-Marketing heißt es, selbst ein Buch in die Hand zu nehmen, wenn man genauer Bescheid wissen will. Die Trends und Entwicklungen ändern sich so schnell, dass es müßig wäre, auf den Kurs an der Volkshochschule oder den neuen Studiengang Social Community Marketing zu warten.

Selbst in den kreativen Berufen bietet die Ausbildung häufig nur die Grundlage, auf der der Autodidakt seine Spezialisierung aufbaut. Dies betrifft Grafikdesigner ebenso wie Fotografen, Filmer oder Toningenieure. In diesen Bereichen sind jene besonders erfolgreich, die Spezialfertigkeiten entwickeln und perfektionieren.

Dabei ist der Autodidakt in bester Gesellschaft, denn schon berühmte Künstler wie der Maler Max Ernst oder der Regisseur Rainer Werner Fassbinder waren Autodidakten und selbst Johann Wolfgang von Goethe entwickelte eine Farbenlehre und entdeckte den Zwischenkieferknochen, ohne jemals ein naturwissenschaftliches oder medizinisches Studium absolviert zu haben.

Im Gegensatz zu den Autodidakten der Vergangenheit haben heutige Spezialisten aus eigener Kraft und eigenem Antrieb auch die Möglichkeit, ihre Leistungen im Internet zu kommunizieren und anzubieten und dies teilweise ohne Zusatzkosten.

Deshalb kann aus einem intensiv betriebenen Hobby auch ein Neben- oder sogar Hauptberuf werden. Wer deshalb eine Leidenschaft hat und diese auch längere Zeit verfolgt, sollte sich immer auch fragen, ob diese nicht auch beruflich eine interessante Perspektive bieten könnte. Doch auch wenn das Steckenpferd rein privater Natur bleibt, ist es bereichernd und erhöht die Zufriedenheit. Ob Manga zeichnen oder Posaune spielen, die Leidenschaft für eine Sache macht Menschen glücklich.

Wir haben mal einen typischen Autodidakten nach seinen Erfahrungen gefragt.

Wassollwerden: Volker, du bist Toningenieur. Wie viel deiner aktuellen Tätigkeit hast du durch deine Ausbildung bei SAE gelernt und wie hoch ist der Anteil, den du dir selbst autodidaktisch erarbeitet hast?

Volker Mayer: Zuerst muss ich sagen: ich bin weder Toningenieur noch darf ich mich so nennen. Der Begriff Ingenieur ist in Deutschland geschützt. ie Berufsbezeichnung der SAE lautet Audio Engineer. Dem gehe ich aber schon immer nur als Hobby nach. Hauptberuflich übe ich die Stelle eines gehobenen Messingenieurs bei einer öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt aus. Die Ausbildung an der SAE hat eine gute Grundlage geschaffen. Sowohl für mein Hobby als auch für meinen jetzigen Beruf. Die vermittelten Grundlagen helfen bei beidem, ohne autodidaktisches Erarbeiten wäre beides nichts.

Wassollwerden: Du hast ja verschiedene Studioteile entwickelt, die du jetzt über deinen selbstgebauten Online-Shop vertreibst. Was ist das eigentlich genau?

Volker Mayer: Noch ist der Online-Shop nicht online, aber über Umsätze kann ich mich nicht beklagen. Am Anfang stand ein Gerät das ich brauchte, das es so nicht gab. Da dachte ich mir ohne Vorkenntnisse  „so schwer kann das ja nicht sein“. Hat funktioniert. Mittlerweile habe ich Platinen für mehrere Geräte entwickelt  und entworfen, schon wieder ein neues Hobby. Der Online Shop ist für die einfachere Abwicklung. Und auch der wird selbst autodidaktisch gemacht: HTML / PHP / SQL, nie davor davon gehört.

Wassollwerden: Wo siehst du dich und deine selbstgebauten Studiokomponenten in fünf Jahren?

Volker Mayer: Mal sehen wie sich das entwickelt. Wenn es gut läuft nur noch 50% Hauptberuf, 30% Studiokomponenten. Dann hätte ich mal endlich wieder Zeit 20% autodidaktisch Musik zu komponieren und zu produzieren.

Wassollwerden: Was hat dir dabei geholfen, dich als Tüftler weiterzuentwickeln?

Volker Mayer: Ich hole mir meine Informationen überall, wo ich welche bekommen kann: In Foren, Büchern, bei Kollegen und sauge alles in mich auf. In Foren gibt es Ideen, Kontakte und manchmal Lösungen, (Fach-)Bücher genieße ich mit Vorsicht. Immer wieder eine Freude, Fehler zu finden. Der Austausch und die Ansichten von anderen Toningenieuren und deren Meinungen sind immer wichtig. Manchmal hab ich auch Geistesblitze, dann wird es immer erfolgreich.